Sonntag auf Berlin-Woman: Der Tango, 3. Teil

Das ist die Serie über Tango in drei Teilen, die der begeisterte Berlin-Woman-Leser Ulf uns zugeschickt hat. Hier ist Teil 3:

„Der Tango ist als Tanz das Schönste, was es gibt. Man muß ihn mit Kraft angehen, mit viel Zärtlichkeit und vielen Stunden Arbeit..“ Antonio Todaro.
Wange an Wange. Das Tanzpaar hat die Oberkörper eng aneinander gedrückt, die Unterkörper streben auseinander und geben den Beinen Bewegungs- freiheit. Mal vorwärts, mal rückwärts beschreibt die Tänzerin mit der Spitze ihres roten Lackschuhs eine Acht auf dem Boden, der Mann folgt ihr mit seitwärts gerichteten Schritten, sie kreuzen die Beine, für einen Moment scheinen sich die Oberschenkel der Tänzer zu berühren, dann setzt die Frau zu einer Drehung an. Dann verändern die Partner schwungvoll die Bewegungsrichtung. Ein gut eingespieltes, langjähriges Paar, denke ich ein wenig melancholisch … Die Stile und Elemente des Tangos sind so vielfältig wie die süd- und osteuropäischen Einwanderer, die Ende des 19.Jahrhunderts beidseits des Rio de la Plata in Argentinien und Uruguay eintrafen. Dort begegneten sie den Gaúchos mit ihrer Landmusik und so vermischten sich europäische Lieder, Rhythmen und Tänze mit den argentinischen Musiktraditionen. Jeder brachte seine Musik und eine Portion Heimweh mit. Hier liegen die Wurzeln der Melancholie, Sehnsucht und des Verlangens, die der Tango so wunderbar ausdrückt.
Gläser klirren am Nachbartisch, ich kehre aus meinen Gedankenträumen vom Rio an die Spree zurück. Der Mond ist hinter den Dächern verschwunden, und auch für mich ist es Zeit zu gehen. Für einen kurzen Moment blicke ich in das Gesicht einer nicht mehr ganz jungen Frau, traumselig, glücklich. Mein Blick schweift von ihrem langen Haar über einen luftig leichten Schal, der ihr über Schulter und Rücken weht, abwärts über die Beine bis zu den roten, hochhackigen  Schuhen. Sie geht  … allein.

Teil 1

Teil 2

Ein Gedanke zu „Sonntag auf Berlin-Woman: Der Tango, 3. Teil

  1. Schade, schon Schluss.
    Das war dreimal Seele streicheln – und träumen. Ganz toll geschrieben.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag von Ulf.
    Alles Gute
    Caren

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