„Tschernobyl, eine Chronik der Zukunft“ – anlässlich der Atomkatastrophe in Japan

Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch

1996, ein Jahrzehnt nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl führte die weissrussische Autorin Swetlana Alexandrowna Alexeijewitsch Gespräche mit Betroffenen der Region.

Das Buch, das seit 2006 in Taschenbuchformat vorliegt, lässt die Strahlenopfer, ihre Angehörigen und Menschen zu Wort kommen, die wieder in die Todeszone zurückkehrten. Es gibt kein System von Vorstellungen, keine Analogien, keine Erfahrungen angesichts eines solchen Desasters, so die preisgekrönte Schriftstellerin. Diesselbe Fassungslosigkeit fühlen wir bei der jetzigen Atomkatastrophe in Japan. Ein Auszug aus dem Bericht eines Strahlenopfers von Tschernobyl:

Ich habe einen Zeitungsausschnitt aufbewahrt… Über den Anlagenfahrer Leonid Toptunov. Er hatte in der Nacht im Kraftwerk Dienst gehabt und wenige Minuten vor der Explosion auf den roten Havarieschutzknopf gedrückt. Der hat aber gar nicht funktioniert… Man behandelte den Mann in Moskau. „Um etwas tun zu können, braucht man einen Körper“, sagten die Ärzte. Aber nur ein einziger sauberer, nicht verstrahlter Fleck auf dem Rücken war geblieben. Toptunov wurde, wie die anderen, auf dem Friedhof in Mitino begraben. Der Sarg wurde innen mit Plastikfolie ausgelegt. Über dem Sarg anderthalb Meter Betonplatten, mit Bleiverkleidung. Der Vater kam… Stand am Grab und weinte… Leute gingen vorbei: „Dein Hundesohn hat das Kraftwerk in die Luft gesprengt!“ Wir sind einsam, Fremde. Wir werden sogar gesondert beigesetzt, nicht so wie alle anderen. Wie Außerirdische… Von irgendwoher aus dem Kosmos… Wäre ich bloß in Afghanistan gefallen! Ehrlich, manchmal kommen mir solche Gedanken. Dort war der Tod eine ganz normale Sache… Etwas Verständliches…

Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, Tschernobyl – Eine Chronk der Zukunft, Berliner Taschenbuch-Verlag 2006, ISBN 3-8333-0357-3

Tschernobyl

Verbraucherfragen nach der Reaktorkatastrophe in Japan

2 Gedanken zu „„Tschernobyl, eine Chronik der Zukunft“ – anlässlich der Atomkatastrophe in Japan

  1. Bis zum 25.03.2011 ist im Potsdamer Landtag (Am Havelblick 8, 14473 Potsdam) die Wanderausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl“ zu sehen. Sie erinnert an die Atomkatastrophe vom 26. April 1986. Interaktiv werden das Reaktorunglück, die Folgen für Mensch, Tier und Umwelt und die Gegenwart veranschaulicht.

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