Die erste Frauenkooperative Europas: Berlin-Woman hat mit den Gründerinnen gesprochen

Berlin-Petra (Hellas)

Eleni Chioti in ihrer Restaurantküche, Foto: uf

Der internationale XX-Tag 2011 und seine Festwochen sind ein gegebener Anlass, um ein lang angekündigtes  Interview zu bringen. 1983 gründete Eleni Chioti mit anderen Mitstreiterinnen die erste europäische XX-Kooperative im griechischen Petra/Lesbos. Berlin-Woman hat mit Eleni und ihrer Tochter Magdalena gesprochen:

BW: Wie ist es zur Gründung der Frauenkooperative gekommen?

EM: 1983 wollte eine Abgeordnete im Parlament von Lesbos etwas für ihr Heimatdorf Petra und die Frauen tun. Wir wurden die erste Frauenkooperative Europas, die uns sehr populär machte. Wir waren 20 XXs mit dem Ziel, einen etwas anderen Tourismus zu schaffen: Die Vermietung an Privatgäste, die das griechische Leben: z.B. unsere Küche und unsere Tänze, kennenlernen konnten. Anfangs war es nicht leicht, denn die Familien waren nicht daran gewöhnt, dass „Mama“ unternehmerisch tätig wurde.

BW: Was war eure Strategie?

EM: Das Gleichstellungs- und das Tourismus-Ministerium offerierten uns Weiterbildungsseminare in Englisch, Verwaltung, Betriebswirtschaft usw. Weltweit wurde Werbung gemacht, es gab Berichte in der deutschen Brigitte, in Dänemark, England usw. Wir waren auf den großen Tourismusmessen vertreten. Daraufhin kamen Gäste aus ganz Europa. Es stießen immer mehr XXs zu uns, in Höchstzeiten waren wir 50. Wir vernetzten uns international, u.a. mit Kassel, wo die SPD ein EU-Programm für Alleinerziehende durchführte. Aktuell arbeiten wir mit einer Gruppe aus dem türkischen Ismir zusammen, die einheimische Produkte verkaufen.

BW: Wie funktionierte die Kooperative?

EM: Unser Verwaltungsrat mit 5  XXs traf sich wöchentlich. Die Mitglieder zahlten einen bestimmten Betrag, erhielten Werbung und Unterstützung aller Art. Bei Bedarf wurde ein Ausgleich gezahlt. Einmal im Monat kamen wir zur Lagebesprechung zusammen. Konkurrenz blieb dabei nicht aus, es gab manchen Streit um Gäste.

BW: Was macht ihr heute?

EM: Mit dem Erfolg entschieden sich einige, ihr eigenes Business zu machen. Unser größter Konkurrenz ist der Pauschaltourismus. Aber es kommen weiterhin Gäste, vor allem Deutsche, die den Individualtourismus lieben. Die Zimmer kosten rund 30 Euro pro Tag. Wir haben auch viele Gruppen. Unsere Familie unterhält das Restaurant, das Anlaufstelle der Kooperative ist. Hier gibt es original griechisches Essen zu günstigen Preisen. Wir beraten auch XXs, die sich selbständig machen wollen. Die Kooperative ist heute ein Zirkel mit 20 Mitgliedern.

BW: Wäre eure XX-Kooperative auch etwas für Berlin?

EM: In abgewandelter Form ist sie sicher ein Modell. Bei euch leben so viele alleinerziehende XXs, die in ähnlichen sozialen Verhältnissen sind, wie wir damals. Eine Kooperative könnte ihnen helfen, auf die eigenen Füße zu kommen.

BW: Efcharisto, Eleni und Magdalena.

Women´s cooperative of Petra

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