Zwei Bildhauerinnen beim spektakulären Berliner Skulpturenfund

Berlin-Museumsinsel, Neues Museum

Emy Roeders Schwangere auf der "entarteten Kunstausstellung" 1937

Bis auf weiteres zeigt das Neue Museum einen spektakulären Skulpturenfund. Im Oktober 2010 wurden 11 Bildwerke der Moderne bei Grabungsarbeiten für die neue Linie 5  am Alten Rathaus in Berlin-Mitte geborgen.

Der Nachweis, dass es sich um von den Nationalsozialisten diffamierte Kunst handelt,  macht die Entdeckung der 11 modernen Plastiken um so bemerkenswerter.  Die Geschichte der Objekte liest sich wie ein Krimi: Die Kunst lagerte im Keller des Steuerberaters Ehrhard Oewerdieck, der vielen NS-Verfolgten half.  Einige der Plastiken wurden 1937 auf der Ausstellung „entartete Kunst“ gezeigt. Von dort aus gelangten sie in die Königsstr. 50.

Neben Otto Freundlich, Edwin Scharff und Otto Baum sind Emy Roeder und Marg Moll vertreten, zwei anerkannte Bildhauerinnen der Moderne.   Die avantgardistische Künstlerin Roeder schuf die Terracotta-Plastik „Die Schwangere“, die 1920 von der preußischen Akademie preisgekrönt und von den Nationalsozialisten für die „Entartete-Kunstausstellung“ beschlagnahmt wurde.  Der Kopf ist erhalten, ein schmales von einer Kapuze umhülltes Gesicht mit verinnerlichtem Ausdruck.   Die vom Kubismus beeinflußte Bildhauerin Moll fertigte die „Tänzerin“ 1930, eine in stilisierter Bewegung und Tanzpose verschlungene Figur. Die Bergungsschäden bleiben als Zeichen bestehen, sie spiegeln die Diffamierungs- und Verfolgungsgeschichte der Kunstwerke.  Die Ausstellung der 11 geborgenen Bildwerke befindet sich im griechischen Hof des Neuen Museums, tröstlich umgeben von antiken Reliefs und Friesen.  Der Besuch ist unbedingt zu empfehlen. Emy Roeder und Marg Moll sind Berlin-Women, die auf Berlin-Woman eine eigene Vorstellung verdienen. Und natürlich hat Berlin-Woman auch Nofretete & Co. besucht.

Der Berliner Skulpturenfund. Entartete Kunst im Bombenschutt, Neues Museum, Bodestr. 3, 10178 Berlin, Mo-Mi, So 10:00-18:00 Uhr, Do-Sa 10:00-20:00 Uhr, 10/5 Euro, Online-Buchung oder am Ticketschalter.

Fotojournal Denkeler

4 Gedanken zu „Zwei Bildhauerinnen beim spektakulären Berliner Skulpturenfund

  1. Klingt spannend, auch wenn der Fund nun ja schon einige Zeit zurück liegt. Da ich ja auch zu den Menschen gehöre, die sich immer hin noch ab und zu für Kultur und Kunst interessieren, wollte ich mal fragen: wo kann man die Fundwerke denn momentan bewundern? Gerade die von den Nazis diffamierte Kunst der Weimarer Republik hat in meinen Augen einen sehr hohen Stellenwert, betrachtet man die Kunstgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb wäre es für mich auch mehr als spannend, die gefundenen Skulpturen mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

  2. Also ich glaube, es wird Zeit mal wieder ins Neue Museum zu gehen, das Foto vom Griechischen Hof im Fotojournal Denkeler und Deine Blogartikel zu der Ausstellung machen richtig Lust!
    Danke Berlin-Woman!
    La Peperonata

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