Kindertauglich: Die sieben Totsünden im Potsdamer „Sanstitre“

Berlin-Potsdam


Völlerei, Neid, Geiz, Wollust …, wer die 7 Todsünden vollständig haben will, der sollte die gleichnamige Potsdamer Ausstellung der Kuratorin und Galeristin Angelika Euchner besuchen. 15 Künstler/innen tragen mit Malerei, Skulptur, Digital-und Comic-Art, Collage u.a. zu einer vielfältigen Bilderschau bei. Themen wie Macht, Sexualität und Pornographie – Mikos Meininger zeigt eine Collage mit Kreuz und Pornofotos, Axel Gundrum zeigt ein dickes XY-Ungetüm, der sich von drei kleinen schwarzen Menschen „bedienen“ läßt, Anja Isabel Schnapka zeigt eine Digitalcollage mit einem unheimlichen Paar – verweisen auf die Aktualität des mittelalterlichen 7 Sündenregisters.

Berlin-Woman trifft ihren Mitarbeiter, den Kindertauglichkeitsprüfer Georg DR (11 Jahre). Wir testen die Ausstellung. Georg geht zielstrebig zur Fotografie mit einer Münzkollektion von Thomas Töpfer (Choreographie der Habgier):“Da kommen alle Nationalitäten zusammen. Die würden gut in meine Münzsammlung passen“. Danach schauen wir uns die Fotografien „der Tod und die 7 Todsünden“ von Michael Lüder an. Abgebildet sind Büsten und Figurinen von Walter Schulze Mittendorf für den Film „Metropolis“ von 1924/25: „Das sieht cool aus. Die Köpfe sind ganz unterschiedlich, manche sind gruselig. Und hier sind die Figuren noch mal alle zusammen“. „Ich nehm mal was vom Brot von Jesus“, Georg bedient sich am mittig aufgebauten Abendmahl-Tisch mit Brot und Weinbechern. Danach betrachtet er das Todsünden-Triptychon von Bernd A. Chumas im Comicstil: „Das ist gut gelungen. Diese Comic-Wesen stellen den Krieg dar, oben drüber schwebt das Blindenzeichen, und die Ente mit der Krone ist die Merkel. Wenn es nicht zu teuer ist, würde ich mir das Bild kaufen und über den Fernseher hängen“. „Oh, den finde ich witzig“, Georg geht zu Rainer Sperls Skulptur (Eva spielt im Paradies mit Adam). „Die Glubschaugen! Wenn man den kitzelt, rollt der weg, weil er so rund ist. Er hat so viel gefressen, dass er nicht mehr laufen kann“. Vor den Collagen von Jan Beumelburg votet Georg noch mal alle Todsünden: „Zorn ist keine Sünde, man sollte einfach nicht übertreiben. Rachsucht ist manchmal eine Sünde, wenn jemand gemein ist, sollte man ihn einfach ignorieren. Unkeuschkeit ist keine Sünde. Selbstsucht, na ja, wenn jemand auf Ego macht und andere tragen keinen Schaden davon, dann ist das auch nicht schlimm. Der macht sich halt nicht beliebt. Hochmut ist schon ´ne Sünde. Neid ist keine, und den, auf den man neidisch ist, sollte man nicht in den Dreck ziehen. Insgesamt ist die Ausstellung ganz in Ordnung, meine Schulkameraden würde ich aber nicht hierher mitnehmen. Nur meinen Partner, den Kindertauglichkeitsprüfer TBW“. Danke Georg und bis zum nächsten Mal!

Kunsthaus Sanstitre, Französische Straße 18, 14467 Potsdam, Do-Fr 15-19:00 Uhr, Sa 12-16:00 Uhr, bis 12.12.2010. Eintritt frei.

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