Im Bücherregal von Berlin-Woman: Ich Romy

Renate Seydel (Hg.), Ich Romy, Tagebuch eines Lebens, München 1988, Neuauflg. 2009 (10-7 Euro)

Regen in Hellas. Zeit für die Reiseliteratur. Im Gepäck von Berlin-Woman befinden sich die Tagebücher von Romy Schneider. Sie lohnen sich und außerdem war euch ein Bericht längst versprochen. Hier ist er:

Romy Schneider? Das ist doch die Sissy, die dann später so verwerfliche Frauenrollen gespielt hat. Eine unendliche Geschichte für die Yellow Press! Wer den Menschen Romy Schneider kennen lernen möchte, sollte hingegen ihr Tagebuch lesen. Die Eintragungen aus der Jugendzeit und Notizen, und Interviews aus den späteren Jahren wurden 1988 herausgegeben und sind jetzt wieder neu aufgelegt worden.

Dort kann man erfahren, dass Rosemarie Albach-Schneider (* 1938 in Wien) eigentlich Kunsthandwerkerin werden wollte. Aber dann beginnt die Filmkarriere wie von selbst. Romy bewährt sich, erhält einen Vertrag nach dem nächsten und kann das jubelnde Publikum und die Pressejagden, inklusive die -lügen, nicht fassen. Das Filmen ist ihr Metier, nicht das Star-Sein. „Ich bin nicht Sissy“, notiert die 20Jährige, die bald darauf Alain Delon kennenlernt. Sie finden sich „zum Kotzen“, dann verlieben sie sich ineinander und leben ohne Trauschein zusammen. Die Familie Schneider und die gesamte BRD entrüsten sich. Währenddessen kämpft Romy an der Seite des Sterns Delon um eine neue Karriere in Frankreich. Und hat Erfolg.

Privat sieht es anders aus. Ihr Versuch, sich ein bürgerliches Leben mit dem Schauspieler Harry Meyen aufzubauen, scheitert. Und ebenso die Beziehung zu ihrem Sekretär Daniel Biasini. Es zieht sie aufs Set, sie dreht Film über Film. Vergeblich sucht sie einen Ausgleich, flüchtet sich in Alkohol, Tabletten und Liebschaften. 1981 verunglückt ihr Sohn tödlich.

Nüchtern schreibt sie, selbstkritisch und sehr, sehr selbstreflektierend. Man gewinnt das Bild einer hochintelligenten aber verzweifelten Frau, die zu früh bekannt und vermarktet wurde. Und die doch so gerne zu leben gelernt hätte. Verblüffend sind ihre Uneitelkeit und Bescheidenheit, beeindruckend ihre Professionalität. Im April 1982, einen Monat, bevor sie an Herzversagen stirbt, sagt sie: „Ich werde meine Arbeit so gut wie möglich fortsetzen. Es muß weitergehen, man kann nicht stehenbleiben „.

Romy ist auch Berlin-Woman.

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