Serienroman XII: „Nur eine Kostprobe“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman von Berlin-Woman erscheint jedes WE. Es gibt Witziges, Beschauliches, Trauriges und Absurdes aus der „Berliner Trennungsgeschichte“:

„Ich hab Kuchen mitgebracht“, sagt die Geschiedene zum Mann, der die Wohnungstür aufmacht. Tee steht auf dem Tisch. Der Kuchen wird ausgepackt und verschlungen. Wie beim Pizza-Service, denkt die Geschiedene. So macht man das wohl im Staatsdienst. „Komm, komm“, drängelt das Gespenst. Die Geschiedene zögert, und schon verdunkelt sich der Blick vom Gespenst.  „Viagradruck, oder was „, lästert der Hausdrache. „Hier gibt es keine Teller. Ich gehe“, sagt die Geschiedene.

Nein anders. Sie will es nun wirklich wissen und taucht nochmal ihre Hände in den Körper neben sich. Wieder verschwinden sie. Keine Wärme, kein Widerstand, keine Spannung. Okay, er ist definitiv ein Gespenst.  Sie steigt auf ihr Fahrrad und fährt in die Nacht zum Wasser, auf dem sich die Lichter der gegenüberliegenden Hochhäuser spiegeln. Wie ein umgekehrtes Feuerwerk: rot, gelb, weiß.  Sie setzt sich auf eine Steinmauer am Ufer. „Ich brauche kein Gespenst“, flüstert sie den Schwänen zu.

Nach drei Tagen fragt das Handy: „Was ist los?“ „Ich mag keine unfertigen Bilder, ich mag keinen Kuchen von der Pappe, ich mag keine Facebook-Lovestories, ich mag keine flüssige Haut, ich mag keinen Staatsdienst und ich mag keine Gespenster“, antwortet die Geschiedene. „So geht das aber nicht“, brüllt das Handy. „Doch. Geh mit Gott, aber geh“. „So redest du nicht mit mir“, schreit es. „Doch. Ich lasse dich jetzt los“. „Nein, ich laß los“, schimpft es. „Dann laß doch los“. „Nein, ich höre jetzt auf“, herrscht es. „Ja, dann höre doch auf“. „Nein. Ich lege jetzt auf“, droht es. „Dann leg doch auf.“ „Wir haben das letzte Mal miteinander gesprochen!“ „Haben wir“, lächelt die Geschiedene und legt auf. „Ein Handy kann man doch gar nicht auflegen“, bemerkt der Hausdrache.

Die Geschiedene fühlt sich leicht. Sie schwebt, sie gleitet, sie fliegt durch die Stadt. „Ich hab los gelassen“, staunt sie und kostet jedes Wort auf der Zunge aus.“Ich bin frei, frei, frei“. „Ich bin aber auch noch da“, holt sie der Hausdrache zurück. „Irgendwer muss ja aufpassen“, sagt die Geschiedene, „Jetzt geht’s erst richtig los. Das hier war doch nur eine Kostprobe“. Fin!

3 Gedanken zu „Serienroman XII: „Nur eine Kostprobe“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

  1. Liebe Peperonata, ja, das war´s. Der erste Serienroman auf Berlin-Woman ist zuende. 12 Folgen, das entspricht den 12 Monaten im Jahr, den 12 Aposteln, dem 12-Fingerdarm und den 12 Stunden, die wir als Unternehmerinnen täglich arbeiten müssen. Es sei denn, man ist gerade auf Reisen, wie ich. Aber selbst hier bleibe ich Berlin-Woman und dem Blog treu und berichte regelmäßig. Liebe Grüße nach Berlin

  2. Was hat denn das „Fin“ am Ende vom heutigen Serienromanteil zu bedeuten? War es das jetzt? Oder gibt es noch weitere Folgen der Berliner Trennungsgeschichte?… fragt die neugierige Peperonata.

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