Serienroman XI: „Let´s make love“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman von Berlin-Woman erscheint jedes WE. Es gibt Witziges, Beschauliches, Trauriges und Absurdes aus der „Berliner Trennungsgeschichte“:

„Let´s make love“, sagt der Mann aus dem Radialsystem. Und die Geschiedene taucht ihre Hände in den Körper des Mannes neben ihr. Aber der Körper ist durchlässig, wie eine Flüssigkeit, wie dichter weißer Nebel. Da ist keine Substanz, nichts Festes, nichts zum Berühren und Fühlen. Da ist einfach Nichts. „Doch ein Gespenst!“ lästert der Hausdrache, „das Gespenst aus dem Radialsystem“.

„Das war kein Betrug“, sagt die Geschiedene zum Hausdrachen, „mit einem Gespenst kann man nicht betrügen“. Sie sind auf dem Weg zu Diesel und Desigual. Die Geschiedene will sich was kaufen. Aus Frust oder weil sie es sich wert ist. Sie kaufen ein Kleid mit vielen, vielen Reißverschlüssen. Sinnvollen und sinnlosen, rundherum auf dem Kleid verteilt. Und dann kaufen sie ein T-Shirt mit einer fetten Diesel-Aufschrift. „So was wollte ich schon immer haben, am liebsten Ölverschmiert“, freut sich die Geschiedene.

Nach ein paar Tagen pipt eine SMS. Der Mann, nein das Gespenst aus dem Radialsystem. Ob sie sich nicht treffen könnten. Die Geschiedene weiß nicht so recht, hin und her. Dann siegt die Neugierde. Sie fährt mit dem Rad durch die Abendstadt. Entlang der Frankfurter Allee. Plötzlich hat sie das Gefühl, dass alles richtig ist, dass alles so sein soll. Sie hält an einem Café, kauft Kuchen. „Nen schönen Abend“ wünscht die Frau hinter dem Tresen.

Vor dem samtblauen Himmel leuchten weiße, gelbe und orangefarbene Lichter. Die Geschiedene überquert Plätze, fährt an Menschen mit Einkaufstüten vorbei, Autos überholen sie, blinken, Ampel rot gelb grün, Wasser, Brücken, Baumkronen, Leuchtreklamen, Hochhäuser und Altbauten, weiße und gelbe Linien auf der Straße, der dunkelrot abgegrenzte holprige Fahrradweg. Die Geschiedene fährt und fährt. Fortsetzung folgt …

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