Serienroman X: „Das ging ja gerade noch mal gut“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman von Berlin-Woman erscheint jedes WE. Es gibt Witziges, Beschauliches, Trauriges und Absurdes aus der „Berliner Trennungsgeschichte“:

„Ich habe Hunger“ verkündet die Geschiedene laut. Der Mann aus dem Radialsystem bringt aus der Küche eine Schüssel und eine Teekanne. In der Schüssel liegen Gummibärchen. „Ich hab nichts anderes da“, sagt er. „Wie auf einer Teenie-Party“ kommentiert der Hausdrache.

Der Mann schaut sie an, aus seinen Augen spricht Neugierde, Begehren und Mißtrauen. „Ich weiß nicht, ob ich mit dir hier sein möchte“, sagt er. Seine Therapeutin hätte gesagt, dass er immer klären soll, was er mag und nicht mag. „Wann siehst du denn so deine Therapeutin?“, entgegnet die Geschiedene. Immer mittwochs, lautet die Antwort. Na klar, war das nicht am Donnerstag, als ihr die Freundin seine Frage nach ihr geschickt hat? Und war es nicht Donnerstag, als sie telefoniert haben? „Dann ist das hier eine therapeutische Geschichte“, sagt der Hausdrache.

Die Geschiedene hat Fragen: „Rauchst Du, warum hast Du keine Fotos und Bilder aufgehängt, wo ißt du, wenn du nichts im Kühlschrank hast, tanzt du Tango“? Er schaut und schweigt. Plötzlich sagt er, dass er geschieden ist, schon lange. Und dass er während seiner Ehe getrunken hätte. Und dass er mal eine Frau auf Facebook kennengelernt hätte. Zu der wäre er hingefahren und dann wär´s das nicht gewesen. Die hätte sich nicht eingelassen und so. „Ja und weißt du was? Meine Geschichte ist die von Effie Briest“, antwortet die Geschiedene. „Kennst du die von Theodor Fontane? Das ist diese Ehegeschichte mit einem gestrengen Gatten, Betrug, einem Duell und einem Chinesen-Gespenst. Vor dem hat sich Effie immer gefürchtet. Sie ist dann am gebrochenen Herzen gestorben“. Und: „Hast Du Angst? Ja, ich auch, und deshalb gehe ich jetzt“. Rafft ihre Tasche, Treppe hinunter und hinaus in die Nacht, die sie umfängt. „Das ging ja gerade noch mal gut“, meldet sich der Hausdrache.

Nein anders. Der Mann aus dem Radialsystem hat die Heizung im Bad und im Schlafzimmer angemacht. „Das ist alles geplant“, lästert der Hausdrache. Im Schlafzimmer hängt ein unfertiges Bild mit ein paar farbigen Strichen. Die Geschiedene malt es in Gedanken weiter: Türkis, Gelb, Blau. Unter der Bettdecke tastet sie sich vor, aber sie findet den anderen Köper nicht. Sie schaut nach ihm, der Mann ist weiß, weiß und wie durchsichtig. „Ein Gespenst, ein Gespenst“, wispert der Hausdrache. „Quatsch, ein Albino“, gibt die Geschiedene zurück, „nur die roten Augen fehlen“. Fortsetzung folgt …

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