Serienroman IX: „Shut up, ich habe Hunger“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman von Berlin-Woman erscheint jedes WE. Es gibt Witziges, Beschauliches, Trauriges und Absurdes aus der „Berliner Trennungsgeschichte“:

Die Geschiedene nimmt „Schweres Beben“ von Jonathan Franzen aus dem Regal. Eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer Erdbebenforscherin, die 10 Jahre älter ist. „Ne tolle Story“ bemerkt sie, „Amerikanische Umweltpolitik und -forschung und Lifestyle in den 1990ern“. „Ja ich hab´s verschlungen, als ich alleine in Urlaub war“, sagt der Mann aus dem Radialsystem. Die Geschiedene schlägt eine Seite auf. Zufall oder Fügung: es ist die mit der Szene im Flur. „Die hat mir echt gefallen. Franzen beschreibt Erotik irgendwie anders. Wild und direkt, aber überhaupt nicht platt oder peinlich“, sagt sie. Sein Blick wird grüblerisch. „Also ich finde das toll, wo der Tampon raus- und durch den Flur fliegt“, stößt die Geschiedene weiter vor.

„Bist du wahnsinnig“, zischt der Hausdrache, „wie der guckt. Wir gehen sofort!“ „Nein, ich bleibe. Ich ziehe das jetzt durch“, erwidert die Geschiedene und „Kennst du die Szene aus den ´Korrekturen´, zwischen den beiden Frauen?“ wendet sie sich dem Mann zu. „Das ist doch unglaublich. Franzen beschreibt Frauensex, als wäre er selbst eine.“ Ihr Gegenüber schaut, ja wie … mißtrauisch, zweifelnd wäre wohl die richtige Charakterisierung. „Ich erinnere mich schwach“, sagt er schließlich, und: „Ja richtig, wie konnte ich das vergessen. Weißt du, Pornos sind nicht so mein Ding, waren es nie. Das war schon während meiner Ausbildung so, als man sich zum gemeinsamen Pornogucken getroffen hat. Damit konnte ich nichts anfangen.“ Klingt fast sympathisch.

„Du riechst gut, was ist das für ein Parfüm?“ fragt er. „Ein Männerduft“. „Komm her“. Arme, der Hausdrache zwängt sich dazwischen. Lippen, der Hausdrache reißt ihren Kopf nach hinten. Das Buch fällt auf den Boden. Berührungen, der Hausdrache schimpft: „Betrügerin, Lügnerin“. „Shut up“, flüstert die Geschiedene, „ich habe Hunger“. Fortsetzung folgt …


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.