Serienroman VII: „Unruhezone“ -Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman von Berlin-Woman erscheint jedes WE. Es gibt Witziges, Beschauliches, Trauriges und Absurdes aus der „Berliner Trennungsgeschichte“:

Nein anders: Die Geschiedene will Klarheit. „Was ist los?“, fragt sie. „Ich mag keine Mails und Smsse“, lautet die Antwort, „ich verabrede mich lieber“. Warum denn nicht gleich so. Man könnte sich doch mal zum völlig unaufgeregten Lesen treffen? Nein, er möchte eine Erklärung abgeben. Außerdem wäre er gerade auf Dienstreise, ist im Staatsdienst und wichtig und so weiter. Olala, aber: „Okay. Wann und wo willst du dich erklären?“ „Am Samstag“.

Verabredung in einem Berliner Café mit Bistro-Möbeln aus den 60ern. Die Geschiedene ist pünktlich, bestellt einen Tschai-Tee. Bevor sie losgegangen ist, hat sich ihr der Hausdrache in den Weg gestellt, mit den Händen in den Hüften und einer Schürze um. „Wohin gehst du, wieder betrügen?“ „Ach laß mich in Ruhe, was weißt du schon von Betrug“. „Eine anständige Ehefrau geht nicht mit anderen Männern lesen!“ „Das stimmt allerdings. Eine anständige Ehefrau liest überhaupt nicht“, hält die Geschiedene dagegen und knallt die Wohnungstür zu.

Dabei wäre es nicht schlimm, wenn er nicht kommen würde. Dann hätte es sich von selbst erledigt. Aber da ist er auch schon, wieder mit diesem komischen Hut auf dem Kopf. Und ziemlich aufgekratzt, setzt sich und bestellt einen Tschai. Man redet über dieses und alles mögliche und auf einmal über Göttermythen. Die Geschiedene hat sie gerade wieder gelesen, die Geschichten sind toll, sie sagen uns alles über die Menschheit: über Liebe, Hass, Krieg, Frieden, Lüge, Wahrheit, Sex, die Psyche. Der Mann aus dem Radialsystem kennt sie auch alle. Ja, er hätte Alte Geschichte studiert, ein paar Semester, bevor es in den Staatsdienst gegangen wäre. Und jetzt verdient er irrsinnig viel Geld für irrsinnig viel Arbeit.

Die Sonne scheint, ein schöner warmer Tag. „Gehen wir spazieren?“ Es geht über die Berliner Oberbaumbrücke, es ist die Lieblingsbrücke der Geschiedenen. Sie hat zwei völlig unterschiedliche Perspektiven, der Blick direkt auf Berlins Mitte und der Blick ins Ländliche. Und schon wieder sprechen sie über Jonathan Franzen. Die Geschiedene liest gerade die „Unruhezone“, ist beim Pupertäts-Kapitel. Franzen ist so wenig Macho, dass er diese Zeit ziemlich unbeschadet übersteht. Irgendwie scheint das den Mann aus dem Radialsystem dazu aufzufordern, von sich zu erzählen. War zwar gar nicht so gemeint, aber sei´s drum. Kommt jetzt die Erklärung? Nebenbei: Franzen würde niemals Hut tragen. Der Mann beginnt zu reden. Er würde nie trinken, und der Tequila Sunrise, den sie sich im Club bestellt hätte, das war echt krass. „Kann ich ja nicht wissen“, sagt die Geschiedene. An der nächsten Ecke versucht er den Arm um sie zu legen. Ein bißchen ungeschickt. „Nein“, schreit der Hausdrache. Sie schiebt den Arm weg … Fortsetzung folgt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.