Eine kleine Frühlingsreise: Berlin-Woman findet ihren Garten

Ein zerfallener Zaun, dahinter undurchdringliches Gestrüpp. Trotzdem klettert Berlin-Woman drüber, sie will es genau wissen. Ein  kleines, zugewuchertes Wäldchen umfängt sie, abgestorbene und junge Bäume bilden ein dichtes Geflecht, durch das man sich hindurchwinden muss. Ein Ast schlägt die Sonnenbrille von der Nase, sie verschwindet unter Zweigen und Blättern, ist nicht mehr auffindbar. Ist das die Opfergabe?

Dann eine kleine Senke, da stehen große Betonkübel, aus denen Gräser hervorquellen. Und hier ein winziger Wassertümpel mit Schilf. Weiter hinten öffnet sich eine baumfreie Schneise mit Moos. Ein wunderschöner Picknickplatz. Hohe Bäume spenden Schatten, jahrelang konnten sie ungestört in den Himmel wachsen. Blumen: Fingerhut, Glockenblumen und anderes wunderschönes „Unkraut“. Da ist ja auch die blaue Blume.

Guck mal, eine „Wiese“ nur aus Efeu. Äpfel liegen am Boden. Berlin-Woman nascht eine Mirabelle. Jetzt geht´s durch Brombeersträucher hindurch, die winzigen Dornen hängen sich an die Kleidung, autsch, Brennnesseln. Die Natur wehrt sich gegen den Eindringling. Und was ist das? Ein Haus, ein richtiges kleines Haus mit solidem Dach und einer Fensterfront. Die Tür ist offen und führt in einen hohen Raum mit einer Luke in das Obergeschoß, die Leiter fehlt. In der Ecke liegt ein überdimensionaler Gartenzwerg aus Plastik, abgeschabte Farben, DDR-Kitsch.Genug bewacht, du wirst an die frische Luft gesetzt.

Der Garten hat jetzt neue Bewohner!

5 Gedanken zu „Eine kleine Frühlingsreise: Berlin-Woman findet ihren Garten

  1. Habt acht, habt acht,
    was für eine Wörterpracht.
    Welch ein sinniges Gedicht
    auf ostige und West-Geschicht.
    Das Paradies, so möcht ich meinen
    wird Ost und West nun endlich einen.

    Danke für das tolle Gedicht, das ich gerne im Blog veröffentlichen würde. Stimmst Du zu, unbekannte/r Dichter/in?

  2. Herzlich Willkommen bei Mutter Natur

    Mir ist das Fleckchen wohl bekannt,
    kaum zu glauben: Ackerland,
    wo Steckrüben als Kriegskost währten,
    doch ihren Gärtner kaum ernährten.
    Wenn´s sonst nichts gab, eben nur dies,
    dann war das fast schon Paradies.

    Als dann im HO Möhren prangten,
    auf jenem Fleckchen Rosen rankten,
    sorgte für weltmännisches Flair
    ein Hollywoodschaukel, Marke Eigenbau in der DDR.
    Wenn´s sonst nichts gab, eben nur dies,
    dann schien das wie ein Paradies.

    Warum denn auf der Scholle hocken,
    wenn Grenzen fallen, Länder locken?!
    Schluß ist´s mit dem Beet-Umgraben,
    die Datsche kann der Holzbock haben.
    Wo´s andres gibt und nicht nur dies,
    wozu dann noch ein Paradies?

    Fortan das Menschenwerk vergammelt,
    die Natur ihre Urkraft sammelt
    und sprosst und rankt, wuchert und treibt,
    nicht nur das Fleckchen einverleibt,
    sie spendet Kraft, auch Muse süß,
    lockt Eva heim ins Paradies.
    A(wo)men

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