Berlin Woman über Christoph und Aino Schlingensief (Laberenz)

Die Nachricht über den Tod von Christoph Schlingensief kam dann doch überraschend. Obwohl man wusste, wie schlecht es ihm gesundheitlich ging. Jedenfalls war Berlin-Woman richtig getroffen, als sie am vorletzten WE die Schlagzeilen las.

Nicht, dass sie Schlingensief anstandslos verehrt hätte. Nein, aber seine unermüdliche Produktivität, seine Kreativität und seine Provokationsbereitschaft hatten sie über die Jahre hinweg überzeugt. Denn das muss man erst mal schaffen: Nach ziemlich stressigen Filmen über Hitler, das Bottropper Geiseldrama, die 120 Tage von Sodom in den 1980er und frühen 1990er Jahren rückte er den deutschen Gesellschaftsthemen auf den Leib. In seinen Theater-, Opern- und Filminszenierungen ging es um die christliche Demokratie, die 68er, das Reality TV und Asylanten, um Vorurteile und Tabus in punkto Behinderung, Krankheit und Tod.

Schlingensief gründete die Partei „Chance 2000“, beteiligte sich an der Bundestagswahl und rief alle deutschen Arbeitslosen auf, das Urlaubsdomizil von Helmut Kohl beim kollektiven Bad im Wolfgangssee zu fluten. Seine Krebs-Erkrankung behandelte er wie alle seine Projekte. Offensiv schrieb und inszenierte er und gab Interviews, in denen er seine Todesangst nicht verhehlte.

Dieses Erbe ruht nun in den Händen einer jungen Frau, die seit 2004 zum Schlingensief-Team gehört und 2009 den „Multikünstler“ geheiratet hat. Das Oeuvre will verwaltet, Vorhaben, wie das westafrikanische Festspielhaus, wollen vollendet werden. Die gelernte Kunsthistorikerin, Bühnen- und Kostümbildnerin hat zudem auch eigene Projekte, an denen sie erfolgreich arbeitet. Berlin-Woman wünscht der Witwe Kraft und Mut für all die wichtigen Entscheidungen, die sie nun zu treffen hat. Für Christoph Schlingensief und Aino Laberenz.

Die Oper „Matanioa“ von Christoph Schlingensief soll am 3. Oktober an der Berliner Staatsoper uraufgeführt werden.

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