Serienroman VI: „Ich will doch nur lesen“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman von Berlin-Woman erscheint jedes WE. Es gibt Witziges, Beschauliches, Trauriges und Absurdes aus der „Berliner Trennungsgeschichte“:

Wo bist du?“, tönt der Hausdrache aus dem Handy, „ich habe Geschmortes gemacht“. „Ich will kein Geschmortes“, antwortet die Geschiedene. Ich will Freiheit, denkt sie, sagt es aber nicht. Der Hausdrache legt eingeschnappt auf. Die Geschiedene geht auf die Tanzfläche, sie beginnt zu tanzen und schließt einen Moment die Augen. Irgendein Technostück, die Bässe wummern. Als sie aufschaut, tanzt der Mann aus dem Radialsystem in ihrer Nähe. Die Geschiedene lächelt, was soll sie sonst tun. Er grinst ebenfalls, dann deutet er zur Bar. Sie verlassen die Tanzfläche.

Getränkebestellung, er nimmt ein Wasser, sie einen Tequila Sunrise. Den braucht sie jetzt. Er starrt auf ihr Glas mit der rotgelben Flüssigkeit. Sie registriert es, fragt ihn dann aber nach der Einladung zu sich nach Hause. Ob man sich denn nicht zum Lesen in einem Salon-Café treffen könnte. „Ja, ja“, meint er. Die Freundin kommt hinzu, die Geschiedene stellt ihn vor, versucht sich in einer Erklärung, woher sie ihn kennt. Das Gespräch stockt. Er geht wieder, kommt zurück und flüstert ihr ins Ohr, dass er jetzt nach Hause fährt. Hätte nur mal eben in den Club reinschauen wollen. „Okay“, sie bleibt, tanzt und vergißt den Mann aus dem Radialsystem.

Nein anders, am nächsten Tag ist eine SMS da. Wie sie den Club fände? „Ein bißchen dunkel und etwas zu viel Platzhirschen“, schreibt die Geschiedene zurück und ärgert sich, dass sie antwortet. Sie muss damit aufhören und möglichst bald. „Das ist Betrug“, schimpft der Hausdrachen, „du betrügst deinen Mann“. „Aber womit“, fragt die Geschiedene, „hab ich irgend etwas Ehebrecherisches getan? Ich will doch nur lesen.“ Mails gehen hin und her, über Literatur und Musik. Ganz plötzlich sagt er, dass er keinen Kontakt mehr will, wenigstens in Emails nicht. Ein guter Anlass, den Hahn zuzudrehen. Die Geschiedene löscht alles, auch seine Handynummer. Es war eh absurdes Theater. Fortsetzung folgt …

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