Serienroman V: „Hab ich´s dir nicht gleich gesagt“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman auf Berlin-Womans ist da! Ab jetzt erscheint zu jedem WE eine Episode aus der „Berliner Trennungsgeschichte“. Euch erwartet Witziges, Beschauliches, Trauriges, Schräges und Eigenwilliges. Eine Trennung in der aufregendsten Stadt der Welt, eine Trennung auf „Berlinerisch“. Dieses WE verspätet durch eine Netzblockade von … Versatel, wem sonst!

„Hast du was anderes erwartet?“, schimpft der Hausdrache und wedelt entrüstet mit seinem Staubtuch herum. Dann kommt er mit einer Wärmeflasche. Die Geschiedene hat Bauchweh, das Date ist ihr nicht bekommen.

Ein paar Tage später eine Email. Er fragt, ob die Geschiedene das und das Buch kennt. Sie überlegt, ob sie antworten soll, entscheidet sich fürs Ja und hängt eine Liste mit Buchtiteln an. Autoren, die sie mag, schreibt kleine Kommentare dazu. Denkt sich: Warum nicht, denn schon lange hält sie nach jemandem Ausschau, mit dem sie über Bücher reden kann, über die Geschichte, die Protagonisten, die Erzählweise … Der Mann aus dem Radialsystem kennt einiges von ihrer Liste. Emails hin und her. Dann sagt die Geschiedene was zu Jonathan Franzen. Der hat eine ganz tolle Art, über Erotik zu schreiben. Verpackt das Begehren in echte und schöne Bilder und Worte. Ist männlich ohne Gehabe und versetzt sich in die männliche und weibliche Rolle. „Kennst du ihn?“, fragt sie. Ja kennt er. Aber seine Antwort klingt verunsichert, und dann werden die Emails ungehalten: „Willst du nur lesen“? „Wie bitte, Du fragst, ob es hier ´nur´ um Literatur gehen soll? Bücher sind etwas Heiliges, sie lassen uns einander erkennen, sie spiegeln das Leben“. Jetzt schreibt er Kommentare in ihre Nachrichten rein, als ob er etwas korrigieren müsste. Schreibt, dass er sich gar nicht mehr erinnern könnte, so was bei Franzen gelesen zu haben, erzählt dann von David Forster Wallace und seinen Depressionen.

„Hab ich´s dir nicht gesagt“, tönt der Hausdrache. Mittlerweile sieht die mehrfach überschriebene und ergänzte Mail total verworren aus. Man kann gar nicht mehr genau sage, was wohin gehört: Steht da, dass sie sich zum Lesen treffen sollen und darunter seine Adresse? Der spinnt, die Geschiedene tastet zur Notbremse, sie zieht und springt ab.

Nein anders. Die Geschiedene löscht alles und will´s wissen: „Was soll das. So schnell schaue ich mir keine fremden Wohnungen an: Sitzlandschaften, Einbauküchen, Musikanlagen“. „Und die Literatur“, fragt er, „das ist auch ziemlich persönlich“. Die Geschiedene denkt nach: Ja, das ist sie. Nur bei ihr kann man jederzeit zuklappen. Er teilt ihr mit, dass er nun alleine ins Konzert geht. Auch gut, hatte ihr eh keine weiteren Infos geschickt, sie wußte gar nicht, was für eine Band. Sie jedenfalls geht tanzen.

Im Club läuft gute Musik, die Geschiedene ist mit einer Freundin da. Sie tanzen, schauen sich die Szene an und lästern über die Platzhirschen. Die benehmen sich wie im Schwimmbad. Und dann ist er auf einmal auch da, kommt auf sie zu, Honigkuchengrinsen. Sie ist irritiert, der wollte doch ins Konzert. Sie sagt hallo, aber nicht mehr. Er verschwindet sofort wieder, taucht auf der Tanzfläche unter. Manchmal leuchtet sein weißes Hemd auf. Dann umkreist er den Floor wie ein Albino-Tiger. Etwas später piept ihr Handy … Fortsetzung folgt.

2 Gedanken zu „Serienroman V: „Hab ich´s dir nicht gleich gesagt“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

  1. Versatel ist erneut bezwungen, zum dritten Mal in vier Wochen: zwei Programmier-Kenner, ein Technologie-Berater, ein Ingenieur und Berlin-Woman führen den Kampf. Habt ihr übrigens auch einen Hausdrachen? Meiner ist ganz schön rigide mit mir. Nen schönen Abend von Berlin-Woman.

  2. Ich hoffe, Versatel blockiert nicht mehr und ich bin schon gespannt, wer wohl hinter dem Piepen des Handys steckt! Ich freue mich auf die Fortsetzung am nächsten WE!
    Ciao von la peperonata berlinese

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