Nur nicht um Frida weinen II.! 10 Fotografinnen der Weimarer Republik

Berlin-Kreuzberg

Katalog von Marta Astfalck-Vietz, Fotografien 1922-1935

Wer seine Zeit nicht in der Warteschlange vor der Frida-Kahlo-Retrospektive verplempern möchte, kann ausweichen. Und das vor allem, wenn man sich für kreative XXs interessiert. Aktuell bietet die Berlinische Galerie eine Übersicht über das fotografische Werk von Marianne Breslauer. Berlin-Woman hat bereits über den ersten Teil der Ausstellung berichtet.

Der zweite Teil widmet sich 10 Zeitgenossinnen und Mitstreiterinnen von Marianne Breslauer. Das Museum hat aus eigenem Bestand geschöpft und gut daran getan. Es gibt herrliche Portraits der deutschen Publicity der 1920er Jahre und Bilder aus Mode, Film, dem Kabarett und der Werbung. Die nicht sehr große Ausstellung bietet ein Kaleidoskop an Motiven und Bildideen. Sie führt bekannte Größen wie YVA, Lucia Moholy, Marianne Brandt neben weniger bekannten vor Augen und stellt die künstlerische Hochwertigkeit dieser Fotografinnen unter Beweis.

Damals war das Foto-Medium höchst angesagt. Die Fotografie verdrängte die Malerei und Bildhauerei, denn Fotos waren günstiger und einfacher herzustellen. Das zog kreative und emanzipierte XXs, „moderne Frauen“ mit Zigarette, Bubikopf und in Hosen magisch an. Endlich konnte frau sich in einem Studio oder einer Fachschule gründlich ausbilden und für sich selbst sorgen. So lebten die meisten von Aufträgen für die Presse, die Mode- und Unterhaltungsindustrie und für Verlage, bzw. führten ein eigenes Studio. Lotte Jacobi und Brandl wagten nach ihrer Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland sogar eine Neugründung in New York und London.

Eine wahre Entdeckung ist Marta Astfalck-Vietz (1901-1994). Ihr kleine Werkgruppe besteht aus künstlerischer Aktfotografie, Selbstinszenierungen, szenischer Fotografie, Pflanzenstudien, Dada ähnlichen Foto-Collagen und surrealistischen Kompositionen. Das ist pure Avantgarde und lässt uns Frida verschmerzen.

Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Alte Jacobstr. 124-128, 10969 Berlin. Bis zum 0.6.09.2010. 6/3 Euro. Zur „langen Nacht der Museen“ am 28.08.2010 trägt die bekannte Chanson-Sängerin und -Forscherin Evelin Förster: Meine Blicken trinken Deine Augen“ – Chansons und Texte zur Ausstellung Marianne Breslauer, vor jeweils um 20.00 / 22.00 / 24.00 Uhr.

2 Gedanken zu „Nur nicht um Frida weinen II.! 10 Fotografinnen der Weimarer Republik

  1. Hallo Frau Doktor, danke für dein Fachurteil. Ja, das Thema der Fotografinnen ist noch lang nicht erschöpft. Und super spannend. Nächste Woche geht Berlin-Woman zu Alice Spring´s, der Frau von Helmut Newton. Kommst du mit?

  2. Ja, die Ausstellung ist toll. Der einzige kleine Schönheitsfehler war der dortige Kommentar zu Lucia Moholy. Das reinste Klischee! Sie sei sachlich, wolle nicht interpretieren, rein technisch interessiert usw. Enttäuschend. Als ob die KuratorInnen keine Augen hätten. Seit längerem geistern solche Vorurteile nun durch die Literatur sind doch ganz offensichtlich nicht zutreffend. Deshalb schätzen wir ja ihre Bilder so. Näheres dazu in einem Aufsatz von mir zu dem Thema im Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar 2009.

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