Serienroman IV: „Da wüßte ich was Besseres…“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman auf Berlin-Womans ist da! Ab jetzt erscheint zu jedem WE eine Episode aus der „Berliner Trennungsgeschichte“. Euch erwartet Witziges, Beschauliches, Trauriges, Schräges und Eigenwilliges. Eine Trennung in der aufregendsten Stadt der Welt, eine Trennung auf „Berlinerisch“.

Die Freundin schickt der Geschiedenen seine Email. Sie klingt so ganz ehrlich und höflich. Die Geschiedene hört auf zu lachen. Interesse hat sie keins, was soll sie mit einem 40Jährigen auf Frauensuche? Aber wie ist das in der Single-Welt, sind die nicht alle immer so schrecklich alleine? Niemand sagt was Nettes, niemand ist einfach nur freundlich, alles geht auf Berechnung, oder? Die Geschiedene würde ihm gerne sagen, dass sie seine Ehrlichkeit gut findet, dass das gut ist. Sie antwortet, schlägt ein Kaffeetrinken vor und hängt ein Ehering-P.S. an. Der Mann hat sich nie mehr gemeldet.

Nein, anders. Sofort kommt eine Antwort, und plötzlich gehen die Emails hin und her. Interessante, lebendige Mails: Fußball, Umweltberichte, Bücher, Musik. Ping-Pong, das hat sie früher doch mal gespielt und war ganz gut drin. Macht Spaß. Verabredung zum Kaffee. Er trägt einen Hut, Gott, wie verwegen und irgendwie verrückt: „Ich dachte, Du gehst mit mir zum Fußballspiel“. „Da wüßte ich was Bessres“. Hoppla, was war das denn? Dann Kuchen und Kaffee, die er ganz schnell verdrückt. Er ist älter, als die Geschiedene ihn eingeschätzt hat. Hat ein Gesicht, das irgendwie kindlich und nackt aussieht. Nicht schön, nicht häßlich, eben nur nackt. Er ist nervös, rennt mehrmals zum Klo. Kann aber auch einfach nur eine schwache Blase sein, denkt sie. Kann ja alles sein. Langsam ißt sie ihren Kuchen.

Komisch, im Unterschied zu den lebendigen Mails sagt er wenig. Als ob´s ein anderer Mensch wäre. Die Geschiedene spricht dafür um so mehr. Sie interessiert sich für Menschen, möchte erfahren, warum sie hier sind, warum sie was wie machen. Auch wenn man sich nur einmal begegnet. Er sagt: „Ich habe meine Geschichte“. Das glaubt sie gerne. Irgendwann geht sie zur Toilette. Als sie wiederkehrt, ist er verschwunden. Es war nur ein Schatten, mit dem du gesprochen hast.

Nein, anders. Sie gehen aus dem Café raus, sie will mit dem Fahrrad davon, da sagt er was von einem Konzert. „Ja, schick mal die Info“. Dann fährt sie los, bekommt Hunger und hält an einem Dönerladen. Am Tresen herrscht gute Stimmung. Die Geschiedene bestellt einen Hot Dog und Pommes, setzt sich raus, ißt und denkt nach. Was war das? Auf dem Nachhauseweg rumort das Essen in ihrem Bauch, das Brötchen brennt in der Speiseröhre. Sodbrennen. Sie spuckt ein paar Mal in ein Gebüsch am Wegesrand. Hoffentlich hat´s niemand gesehen. Ein schweres Gewicht legt sich ihr auf auf den Magen … Fortsetzung folgt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.