Serienroman III: „Nichts ist, wie es scheint“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Der Serienroman auf Berlin-Womans ist da! Ab jetzt erscheint zu jedem WE eine Episode aus der „Berliner Trennungsgeschichte“. Euch erwartet Witziges, Beschauliches, Trauriges, Schräges und Eigenwilliges. Eine Trennung in der aufregendsten Stadt der Welt, eine Trennung auf „Berlinerisch“.

Die Geschiedene schaukelt. Ihre Füße streifen den Sand. Gedanken, Zweifel, Fragen im Kopf. Wie kam das alles? Es ist passiert, einfach so passiert:

Frühling, Party im Radialsystem. Hardbeat5 spielen Covermusik aus den 60er und 70er Jahren. Die Geschiedene hat die Band schon oft gehört, sie liebt sie. Der Sänger ist totales Entertainement, mal erscheint er barfuß, mal im Rock, mit lackierten Fingernägeln oder mit Perücke. Vor dem Mikro tobt er sich aus.

Die Geschiedene tanzt, ihr Kopf ist ausgeschaltet. Nur Rhythmus und Bewegung, es trägt sie davon. Sofort vergißt sie diesen seltsamen Internet-Flirt, den sie vor ein paar Tagen gestoppt hat: Emails und Smsse von einem Mann, den sie nie gesehen hatte. Nichts, aber auch gar nichts ist passiert, was man unter Ehebruch verbuchen könnte. Oder doch? Denn alles ist virtuell geschehen. Der Ehebruch geschieht im Kopf, nicht im Bauch oder zwischen den Beinen.

Heute tanzt sie, ist ganz bei sich und genießt. Ihre Freundin ist verschwunden. Die Geschiedene schaut sich um, dann sieht sie die Freundin mit jemanden an einem Tisch plaudern. Der Mann will sie heimfahren. Die Geschiedene lacht in sich hinein. Eigentlich wollte sie die Freundin zur S-Bahn bringen, aber da will sie nicht stören. Doch dann signalisiert die Freundin, dass sie doch lieber mit den Öffentlichen nach Hause möchte. Die Freundin tauscht mit dem Mann Emailadressen aus und die beiden Frauen ziehen ab. Eine kleine, unbemerkte Szene.

Es ist Gallery-Weekend in Berlin. Die Geschiedene zieht über die Messen und besucht Hunderte von Galerien, sammelt Kataloge und Einladungskarten, trinkt schlechten Wein und ißt teure Sandwiches. Ihr Handy piept, die Freundin. Der neue Kontakt hätte gemailt und komisch drumherum geredet: Es wäre nicht so wie es scheint, usw. Die Geschiedene ruft zurück: „Du, der ist pervers oder so was. Jetzt gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Entweder läßt Du es oder Du fragst ihn frank und frei, was er meint“. Die Freundinnen lachen. Die Geschiedene denkt: So ist das also in der Singlewelt.

Am Wochenende ist die Freundin auf dem AB. Ihr neuer Kontakt, der Mann aus dem Radialsystem möchte gerne ihre Freundin kennen lernen. Das bin ja ich, denkt die Geschiedene verblüfft. Sie lächelt über die Dealerei mit flüchtigen Bekanntschaften: Ja, nichts ist, wie es scheint.

Fortsetzung folgt…

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