Berlin-Woman auf der 6. Berlin Biennale, 2. Etappe

Berlin-Mitte, KW Institute for Contemporary Art

Rollentausch:

Petrit Halilaj, Foto: Berlin-Woman

Nach einer Auffrischung des Blutzucker-Koffeinspiegels geht es in die zweite Ausstellungsrunde. Wir sind im „KW Institute for Contemporary Art“. Berlin-Woman hat sich mit dem IT-Architekten und Technik-Experten CS getroffen, um die Ausstellung auf Verständlichkeit und Wirklichkeitsnähe zu testen. Nach der üblichen Interview-Situation tauschen sie die Rollen: Jetzt interviewt CS Berlin-Woman.

Der erste Raum ist von Petrit Halilaj gestaltet, der aus einfachem Bauholz und nur unter Verwendung von Schrauben und Draht ein „Gebäude im Raum“ geschaffen hat. Die Geometrie ist schlicht und ähnelt stark einer Hochhausetage. Eine Aussentür führt zu einem Hühnerhof, in dem gesunde Hühner (sowas kostet Minimum 18 € auf dem Ökomarkt) und ein stolzer Gockel ein imposantes Hühnerhaus bewohnen.

CS: „Glaubst du, DAS ist Teil des Kunstwerkes?“ BW: „Ich vermute schon“, was die anwesende Aufsicht noch mal bestätigt. Eine echte Streichelzoo-Atmosphäre. Halilaj ist auf mehrere Räume verteilt. Wir sehen „bourgeois hens“, und eine Hühnerfeder, die sich „poetisch“ (BW) in einer Wasserströmung bewegt. Und ein Kunstwerk, dass von der einen Seite wie eine steinzeitliche Hängematte aussieht, von der anderen eine Vitrine mit allerlei Gegenständen ist: Werk- und Spielzeuge, Waffen. BW: „Das wirkt sehr archaisch und gleichzeitig modern. Passt zum Biennale Motto: Was draußen wartet“.

Wir sehen uns Shannon Ebner an, eine Bilderreihe, die aus mehreren leeren und verschieden dunklen Notizblättern besteht. CS: „Vorausgesetzt, du läßt dir 3 Stunden Zeit, gelingt es dir dann, den Sinn dieses Kunstwerks zu erschließen?“ BW: „Na klar, mir fällt immer was ein. Das da sieht aus wie verschieden lang belichtetes Papier“.

CS. „Empfindest du die Geräusche aus dem Videoraum nebenan auch so störend wie ich?“ BW: „Nö, ich finde das gehört dazu. Das hast du auf jeder Ausstellung für zeitgenössische Kunst.“ CS: „Also ich bekomme von so was Alpträume“.

CS: „Glaubst du, es lassen sich feste Kategorien finden, unter denen sich jedes Bildkunstwerk einordnen läßt?“ BW: „Nein, Kunst ist alles und spiegelt jeden Aspekt der Realität wider.“

Wir schauen uns noch das Video von Mohamed Bourouissa an, das französische Jugendliche in den Banlieus zeigt. In Interviews von Anna Witte beschreiben Jugendliche aus diversen Elendsgebieten der Welt, wie eine geordnete Gesellschaft aussehen könnte. Dann hören wir aus einem Videoraum Geschrei. CS: „Das Video muß entweder ein paar Warlords oder Börsianer bei ihrer Arbeit zeigen.“ Tatsächlich sehen wir dann auf den Videos Broker und Kämpfer und CS ist angetan, dass er das richtig erkannt hat.

Berlin-Woman gratuliert dem IT-Architekt, der sich wacker durch das nicht gerade einfache Kunstangebot der Biennale 2010 durch gekämpft hat. Vielleicht wird CS ja sogar unser fester Berichterstatter beim Spezialthema Kunst und Technik. Das sollten wir ihn demnächst mal fragen.

Teil 1:

6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Oranienplatz 17, Dresdner Straße 19, Kohlfurter Straße 1, Mehringdamm 28, KW Institute for Contemporary Art. Bis zum 8.8.2010. Eintritt 14/7 Euro.

Ein Gedanke zu „Berlin-Woman auf der 6. Berlin Biennale, 2. Etappe

  1. Das Thema der Ausstellung war Schizophrenie! Symptome: Man ist sich selbst fremd und empfindet Vertraute als fremd. Man versinkt stundenlang ins Grübeln oder irgendeine Tätigkeit und Beschäftigung, bzw. ist mit einem Mal total überdreht. Man hat keine Struktur, ist verworren, verliert den roten Faden. Das Denken und Empfinden zerfallen immer wieder, normale körperliche Nähe wird als unangenehm empfunden. Neben der innerlichen Verwahrlosung kann es auch zur äußerlichen Vernachlässigung kommen. Auch neigt man zum Sektierertum, übertriebenen Kritik bis hin zum Verfolgungswahn. Neben Schlafstörungen kommt es zu Phasen eines unnatürlich hohen Schlafbedarfs. Das Verhalten kann bizarre Züge annehmen, die Betroffenen neigen zum Imitieren der Bewegungen anderer, bzw. bewegen sich gekünstelt und verkrampft. Leicht Schizophrene führen oft ein äußerlich „normales Leben“, gerne betonen sie ihre Normalität. Tatsächlich leiden sie erheblich unter ihrer Erkrankung, nehmen aber häufig von sich aus keine Hilfe in Anspruch. Vermittlung und Motivation durch Andere bleiben nötig. Die Schwere der Erkrankung nimmt zu, je länger sie unbehandelt bleibt. Das Leiden kann durch die richtige medikamentöse und psychologische Behandlung beendet werden. Es ist nie zu spät!

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