Frida (1907-1954), jetzt reicht es! Berlin Woman und die Kahlo-Retrospektive

Berlin-Kreuzberg, Martin Gropius-Bau

 

Die Augenbrauen von Frida Kahlo, Fotoschnitt von Berlin-Woman

Frida,

ehrlich, ich hab´s versucht. Drei Mal bin ich zu dir gefahren. Du wolltest mich einfach nicht. Ich bin noch nicht mal zu deiner Berliner Residenz, dem Martin Gropius-Bau, vorgedrungen. Musste weit entfernt von der Drehtür warten, warten und noch mal warten. Beim ersten Mal wäre es „nur“ eine Stunde geworden, beim zweiten Mal wolltest du mich nur mit einem teuren VIP-Ticket sehen, und beim dritten Mal hätte ich einen ganzen Tag vor der Tür ausharren müssen. Das hält doch nur eine osteuropäische Großfamilie aus, deren geduldige Mitglieder sich abwechselnd anstellen.

Weißt du, alle guten Dinge sind drei. Und wer nicht will, der hat schon. Du brauchst mich nicht, und ob ich dich brauche, das frage ich mich gerade. Deine Bilder, fast alles Selbstportraits, sind so anstrengend und angestrengt. Du zeigst deinen aufgeschnittenen Körper, Schlingpflanzen und Schläuche schlängeln aus dir heraus. Deine Knochen, deine Organe sind zu sehen. Deine ungeborenen Kinder, Narben. Dornen umwuchern dich, Alpträume. Und dann dieser dicke, gefräßige alte und so erfolgreiche Maler Diego Rivera, den du 1929 geheiratet, 1939 verlassen und 1940 erneut geehelichst hast. Dein Mann, der dich mit seinen Studentinnen, Modellen und deiner Schwester betrogen hat. Auf einem Gemälde stehst du klein, winzig klein an seiner Seite.

Dabei gibt es in deiner Biografie durchaus lichte professionelle Momente: Du hast dich politisch stark engagiert, warst Mitglied in der kommunistischen Partei in Mexiko, hast in New York und Paris ausgestellt und deine vom Surrealismus stark geprägten Bilder verkauft, hattest einen Lehrstuhl an der Schule für Malerei und Skulptur des Mexikanischen Kulturministeriums, bekamst den Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft und hattest eine Liebschaft mit dem russischen Revolutionär Lew Trotzkij. Das Leben einer emanzipierten Frau, möchte man denken.

Doch dann wieder all diese Krankheiten, Behandlungen und Operationen: medizinische Korsetts, Transplantationen, eine Amputation. Alkohol, Tabletten und Morphium zur Eindämmung der Schmerzen und Depressionen. Irgendwie erinnert mich das an Michael Jackson, aber vielleicht tue ich dir jetzt Unrecht.

Unterm Strich, liebe Frida, kommt für mich heraus, dass das mit den berühmten Frauen in der Kunst so eine Sache ist. Anscheinend muss sich frau erst „das Rückgrad brechen“, damit man(n) sie feiert. Und den Damenbart und die zusammengewachsenen Augenbrauen sollte sie auch nicht vergessen!

Also, einen vierten Versuch, dich zu sehen, wird es mit Berlin-Woman nicht geben. Wir suchen nicht das Leiden, wir finden unser Glück woanders. Wir werden die Ausstellung der Fotografin Marianne Breslauer besuchen, einer Zeitgenossin, und das pure Gegenteil von Frida. Dazu ganz bald mehr!

Frida Kahlo Retrospektive. Wartezeit bis zu 7 Stunden! Tickets 10/8 Euro.



4 Gedanken zu „Frida (1907-1954), jetzt reicht es! Berlin Woman und die Kahlo-Retrospektive

  1. Hallo liebe Leidensgenossin, ist das nicht ärgerlich? Vielleicht sollte man die Öffnungszeiten ändern, oder aber Alternativvorschläge draußen am Gropius-Bau aushängen. Marianne kommt in bälde.

  2. Wenn´s wenigstens eine Kaffeebar vorm Gropius-Bau geben würde. Aber die Berlinische Galerie mit der Alternativ-Ausstellung „Marianne Breslauer“ ist ja gottseidank nicht weit. Oder die Biennale in Kreuzberg!

  3. Wer die Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei für ein „lichtes professionelles Moment“ hält, soll sich doch nicht über Wartezeiten von 7 Stunden beklagen 🙂
    Bei allem, was ich so gehört habe, ist das doch die Zeit, die man im Kommunismus durchschnittlich für ein Pfund Kaffee anstehen musste.

  4. Da war Berlin Woman ja wirklich engagiert! Ich habe bereits nach dem ersten Versuch – mitten in der Woche vormittags – nach zweieinhalb Stunden Wartezeit aufgegeben, da weitere vier auf mich gelauert hätten. Online- und VIP-Tickets sind bis zum Ende der Ausstellung ja leider komplett ausverkauft. Bin schon gespannt auf den Bericht über Marianne Breslauer!

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