Serienroman II: „Kneipe, Supermarkt oder Krankenhaus“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

Berlin-Kreuzberg, Kottbusser Damm

Der Serienroman auf Berlin-Womans ist da! Ab jetzt erscheint zu jedem WE eine Episode aus der „Berliner Trennungsgeschichte“. Euch erwartet Witziges, Beschauliches, Trauriges, Schräges und Eigenwilliges. Eine Trennung in der aufregendsten Stadt der Welt, eine Trennung auf „Berlinerisch“.

Gedankenverloren geht die Geschiedene zu ihrem Lieblingscafé. Sie grübelt über Geld. Geld, das ihr zusteht, das sie hergeben soll, das sie verdienen muß und Geld, das sie nicht hat. Da kommt ihr ein Typ entgegen. Sieht karibisch aus, dunkle Haut, Locken, ein bißchen ungewaschen. Trägt eine bunte Pudelmütze. Fängt sie auf der Kottbusser Brücke ab: „Hi, kennst Du mich nicht mehr“?

Sie bleibt stehen, schaut auf. „Denk mal nach“, sagt er, „Kneipe, Supermarkt oder Krankenhaus“. Legt den Kopf schief, wartet ab. Vor ihrem inneren Auge erscheinen lange Gänge, Türen und verstellbare Betten. Ihr Bandscheibenvorfall. „Das war im Krankenhaus?“ Er lächelt. Sie sagt: „Komisch, kann mich gar nicht an Dich erinnern“. Er schaut bestürzt. Die Geschiedene packt das schlechte Gewissen: Mensch, wer war das bloß und was hatte der? Schnell schiebt sie hinterher: „Wie geht’s Dir denn?“ Er verzieht das Gesicht: „Weißt Du, nicht so gut, und Dir“? „Mir geht’s prima, Bandscheibe wieder okay. Was hattest du denn noch mal?“„Auch Bandscheibe, und jetzt wieder. Bin gerade aus dem Krankenhaus raus, Und weißt du, ich hab kein Geld und müßte mir dringend was zu Essen kaufen. Könntest Du mir mit 10 Euro aushelfen, ich gebe sie Dir auch zurück“.

Ach so. Die Geschiedene holt die Geldbörse hervor und lacht verstohlen hinein. Da ist ein 10er: „Hier, gibt´s nicht für Mist aus, da vorne ist PLUS, geh da gleich mal hin“. Nonchalant nimmt er den Schein. Als ob er ihm zustünde, ihm dem imaginären Krankenhauskumpel der Geschiedenen. „Danke und mach´s gut“, er taucht ab.

Seine Story hat funktioniert. Denn in Berlin-Kreuzberg gibt es tatsächlich nur die drei Orte, an denen man sich begegnen kann. Einer davon trifft immer zu. Eine tolle Geschichte, und das ganze für nur 10 Euro. Die Geschiedene lacht und betritt ihr Lieblingscafé. Fortsetzung folgt …

Ein Gedanke zu „Serienroman II: „Kneipe, Supermarkt oder Krankenhaus“ – Eine Berliner Trennungsgeschichte

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