Berlin-Woman auf der 6. Berlin Biennale, 1. Etappe

Berlin-Kreuzberg

Hans Schabus, Foto: Berlin-Woman

So, jetzt sind wir auch dort gewesen, auf der 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Das internationale Kunstevent findet alle zwei Jahre statt, wird von einem bekannten/einer bekannten Kuratorin geleitet und hat jedes Mal ein anderes Gesicht. Dieses Mal findet die Biennale, die von Kathrin Romberg konzipiert wurde, an sechs Orten und vor allem in Berlin-Kreuzberg statt. Der XX-Anteil ist mit einem Drittel recht hoch, Berlin-Woman wünscht sich natürlich fifty-fifty. Unter dem Titel „was draußen wartet“ soll die Biennale einen Blick aus dem Kunstraum in die Wirklichkeit bieten. Das möchte Berlin-Woman testen und trifft sich in der Ausstellung mit einem Experten, der wenig mit Kunst und viel mit mit technischen Systemen zu tun hat.

B-W.: Hallo CS, schön dass du dich zu einem gemeinsamen Ausstellungsbesuch bereit erklärt hast. Du hast Mathe studiert, bist IT-Architekt bei einem Global Player und die Kunst ist nicht dein tägliches Brot. Genau die richtige Voraussetzung zu einem Besuch im Hauptdomizil der Biennale am Oranienplatz. Komm mit, schau hin und sag mir mal, was dir zu den Werken alles so einfällt.

CS: Ja, gerne. Also das da ist ein System (geht auf die Arbeit von Adrian Lohmüller „das Haus bleibt still“ zu). Die Rohre hier gehen durch den ganzen Raum und sind mit Wasserbehältern verbunden. Ist das ein Fake? Nein, jetzt sehe ich, dass die Leitung auf einen Salzstein gerichtet ist, der sich unter einem ständigen Wassertropfen auflöst. Das Salzwasser läuft unter Daunen-Bettzeug. Das ist ein System, das total nüchtern und technisch aussieht, aber im Chaos mündet. Für mich ist das die Nichtbeherrschung von Komplexität. B-W: Witzig, ich hab als erstes das Bettzeug gesehen und dann erst die Leitungen. Für mich ist das Bett eine Skulptur, die aus dem Salzwasser entsteht.

CS: Das ist doch gestellt (schaut sich kurz das Video von Anna Witt „Die Geburt“ an). Die Frau, die da liegt, ist doch nicht echt schwanger. B-W: Ich weiß nicht. Gucken wir nachher mal, wenn die Wehen einsetzen. CS: Mich erinnert das an die Sendung „Rappelkiste“.

B-W: Ist das von einer XX (geht zur Fotoinstallation von Nilbar Güres)? CS: Ja. Da sind viele XX abgebildet. Aber das ist ja eigentlich kein Grund. Das auf den Fotos sind keine Alltagssituationen, z.B. die Frau da im Garten mit dem Pelzmantel. Und was macht die Frau hier am Schrank? B-W: Guck mal, die hat eine Wasserpistole in der Hand. CS: Und die da vor dem Haus mit ihrer Tochter harkt mit der Gabel den Bambus. Und diese Frauen stehen auf der Straße herum, sie haben Mafia-Gesichter. Da stimmt doch was nicht, das ist nicht echt. B-W: Iiih, hinter denen sitzen ja noch andere … CS: XYs, das sind XY-Hände … B-W: und sie halten den Frauen Kleidung an … CS: Und die Schuhe sind doppelt, das sieht falsch aus. B-W: Die Eltern mit dem Baby, das sind beides Frauen. CS: Das soll Familienglück sein, ist aber in einer total tristen Umgebung. Und diese Frauen im dunklen Garten mit der Axt hecken einen Plan aus. Das sieht nach“Ermordung des Haustyrannen“ nach „Patriarchen-Mord“ aus. B-W: Und dann machen sie auf dem letzten Foto Party.

CS: Das ist irre (schaut in Hof mit den zwei nachgebauten Urgiganten von Hans Schabus). „Club Europa“, dabei sind diese Wesen alle ausgestorben … Und das ist echt klaustrophobisch (betrachtet das Video von Sebastian Stumpf). Der rennt in die Tiefgarage durch das zufallende Tor und kommt dann nicht mehr raus. Wie auf der Flucht, nur weiß man dann nicht weiter.

Berlin-Woman: Ach, da ist ja der Lohmüller wieder. Sein System geht wohl durchs ganze Haus. CS: Und hier sind die Frauen von den Fotos wieder (sieht sich das Video von Ferhat Özgür) an. B-W: Nein, die sehen nur ähnlich aus. Sie sind nicht von derselben Künstlerin. Die beiden alten Frauen hier sind viel kommunikativer. Guck mal, wie süß. Die möbeln sich auf und lassen sich dann fotografien.

CS: Ich brauch einen Kaffee. B-W: Laß uns noch schnell oben gucken. Da ist ja schon wieder der Lohmüller mit einem Riesen-Wasserkanister.

Beim Kaffee: B-W: Das mit den Videos ist ganz schön anstrengend. Um sich alles anzugucken, bräuchte man mindestens einen ganzen Tag. Die meisten sind sehr politisch und aggressiv. Die Streitereien am Gaza Streifen (von Ruti Sela & Maayan Amir) haben mich schwer an einen Ehekrach erinnert. CS: Mich hat es eher verwundert, dass die nicht aufeinander losgegangen sind. Gut gefallen haben mir Lohmüller und Schabus. Aber weißt du, für mich ist das größte Kunstwerk die Evolution. Darwins Theorie von der Entwicklung der Menschheit. B-W: Der beste Ausblick vom Kunstraum in die Wirklichkeit war für mich der Blick vom Ausstellungsgebäude auf Kreuzberg. Es ist ein altes Kaufhaus, das lange leer stand. Ich wollte immer schon mal rein und rausgucken. Auf meinen häßlich-schönen Bezirk, in dem sich Touristen, Migranten, alte und neue Westberliner, junge Künstler/innen und Kreative, Junckies und reich gewordene Hausbesetzer tummeln. Das ist Stadtrealität pur. Danke dir für die Kommentare. Mit der Karte kann man die anderen Standorte auch besuchen. Wir melden uns von dort aus wieder. Tschüßi.

Teil 2

6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Oranienplatz 17, Dresdner Straße 19, Kohlfurter Straße 1, Mehringdamm 28, KW Institute for Contemporary Art. Bis zum 8.8.2010. Eintritt 14/7 Euro.

Ein Gedanke zu „Berlin-Woman auf der 6. Berlin Biennale, 1. Etappe

  1. Christof Schmalenbach = Nomen est Omen: Es wäre schön gewesen, mit Werner Schmalenbach, dem großen Kunsthistoriker, unterwegs gewesen zu sein. Er baute die Sammlung NRW auf und engagierte sich sehr für zeitgenössische Kunst. Er hätte uns viel zu sagen gehabt, sein Rede-Fluß wäre hier sehr bereichernd gewesen.

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