Gerôme Castell, life in der kleinen Philharmonie! Oder: das Geheimnis des Lebens

Berlin-Wilmersdorf

Gerôme, Foto: Berlin-Woman

Gerôme Castell singt seit 20 Jahren. Aus der Berliner Bohème ist er nicht weg zu denken. Keine der schönen, schillernden, glamourösen und rauschenden Parties in dieser Stadt finden ohne ihn statt. Wenn Gerôme da ist, wissen wir, wir sind „mitten mang“ in der wahren, der echten Berliner Avantgarde. Dort, wo es die 26 Geschlechter gibt, dort, wo man sich up- under- und overdressed und dennoch oder gerade deshalb heiß geliebt wird. Gerôme ist vom Sternzeichen Skorpion, man sagt, er sei ein Abkömmling der Faber-Familie, und auch in Limone am Gardasee soll ein Hotel nach ihm benannt worden sein: das Castel(l).

Am Samstag und Sonntag war es so weit. Gerôme sang life in der „kleinen Philharmonie“. Unter der Begleitung der amerikanischen Pianistin Joyce Henderson stellte er sein neues Programm „Torch-Songs from the heart … to sing. experiences“ vor. Gerôme schimmerte nicht nur mit silbriger Haut und im palettenbesetzten Mini mit Berlins schönsten Beinen. Gerôme schimmerte auch mit ihrem Repertoire. Sie sang Barbara, Marlene, Hilde, Nancy, Charles Trênet und Jon Voight. Sie sang besondere Songs, keine Hits oder Evergreens. Wir: Calou, Erika, Andrea, Ulrike und Berlin-Woman, kannten vieles nicht. Gerôme sang mit Emphase und Empathie. Sie sang von der Liebe, der Sehnsucht, vom Suff und der Enttäuschung. Sie sang, und ihre Stimme klingt nicht schön oder wohltönend. Nein, sie klingt spröde, struppig, strohig und in den Höhen etwas heiser. Sie klingt wie der märkische Sand, auf dem Berlin gebaut ist, wie der Wind, der durch die märkischen Kiefern pfeift und wie die hyperaktiven Nachtigallen im Tiergarten. Sie klingt: eben wie Berlin. Gerôme ist ein Seepferdchen, das durch Berlin schwebt und sein Herz auf dem rechten Fleck hat.

In der kleinen Philharmonie war der Tisch gedeckt, es gab Wiener Würstchen, Ofenkartoffeln und Berliner Küche. Es war gemütlich auf dem Sofa und der Terrasse. Dort im alten Berliner Westen, wo man Bohèmien ohne Altersbegrenzung sein darf. Gerômes ganz großer Auftritt ist Ende Oktober. Dann ist Berlin-Woman natürlich mit von der Partie.

Die kleine Philharmonie, Schaperstr. 14, 10719 Berlin.

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