Fashion-Week, Tag 3 von Berlin-Woman

Berlin-Mitte und -Kreuzberg

Schürze von Ecocentric. Foto: Ecocentric

Kaffee und Sekt bei gefühlten 40 Grad im eco-SHOWROOM, dann weiter zum „Greenshowroom“ im Hotel Adlon. Die Labels residieren im ersten Stock in Hotelzimmern. Die Betten und Schränke sind zu „Schaufenstern“ geworden.  Mit der Klimaanlage läßt es sich hier echt aushalten. Die Atmosphäre ist „cool“ und entspannt, sie regt zu Fachgesprächen an. Berlin-Woman erfährt eine Menge über den Zusammenhang zwischen Mode, „Fairtrade“ und „Fairclothes“. Zentral ist das GOTS-Zertifikat (Global Organic Textile Standard), das eine nachvollziehbare und faire Herstellung garantiert. Es bürgt für den Ort, das Verfahren, die Weiterverarbeitung und die Arbeitsbedingungen.

Berlin-Woman lernt einige neue Stoffe und Herstellungsverfahren kennen: Für ihre klassisch-elegante, sehr weibliche Modelinie verarbeitet die Düsseldorferin Andrea Klüsener Jersey-Seide, Chiffon-Seide, Baumwolle-Kapok und Urleinen.  Besonders originell ist ihr Anzug mit kurzer Hose. Die erste Kollektion „Paradies der Damen“ des „Studio Ecocentric“ aus Berlin wartet u.a. mit Hanf-Seide und Soja-Biobaumwolle auf. Die Linie orientiert sich an der 1950er Jahre-Mode, wir entdecken den Tulpenrock von Dior, die klassische Sekretärinnenbluse und eine witzige rosa „Mutti-Schürze“. Das Aachener Label „Lana Naturalwear“ macht seit 23 Jahren Naturmode, in der ein verspielt weiblicher Ton vorherrscht.  Für seine XX- und Kinder-Mode nimmt das Familienunternehmen 100%kontrolliert biologische Baumwolle (kbA) und Wolle (kbT) aus kontrolliert biologischer Tierhaltung. Die zweite Taschen- und Lederwaren-Kollektion von KSIA ist für die urbane Frau gemacht und orientiert sich an der frühen Berliner Nachkriegsarchitektur: schlichte, klare Formen und Farben. Das Leder stammt aus Bayern, wo es auch gegerbt und gefärbt wird. Das Innenfutter besteht aus einem Lausitzer Baumwolle-Leinenmix.

Beim „Swiss Organic Fabrics„, einem Zusammenschluß von Schweizer Textilunternehmen, gibt Paul Schnepf aus Winterthur bereitwillig Auskunft über die biologische Baumwoll-Produktion: Die Pflanzung und Kultivierung wird mit den amerikanischen, peruanischen und ägyptischen Partnern vertraglich geregelt. Dann geht die „Extra-Langstapel-Baumwolle“ in Schweizer Spinnereien und Webereien. Heraus kommt eine Baumwollqualität, die Seide, Jersey, Leinen und Chiffon totale Konkurrenz macht. Herr Schnepf zeigt Stoffe mit einer winzigen Quadrat- und Fischgradwebung, die einfach toll ist. Nach so viel Input könnten wir uns glatt auf eines der Hotelbetten legen und Mittagsschlaf halten, in Bettzeug aus rein-Schweizer-Baumwolle versteht sich.

Abend-Sekt im Atelier von Frau Wagner bei der „Premium-Messe“ direkt um die Ecke. Gefühlte 25 Grad. Die Modedesignerin, die auch Philosophie und Kunst studiert hat, ist gerade auf der „Thekeyto“ und von Dawanda mit einem Preis für ihr nachhaltiges Modekonzept ausgezeichnet worden. Gestern konnten wir aus der Ferne bereits eine der Wagnerschen Roben in der Dawanda Messe-Koje bewundern. Heute sehen und erleben wir sie hautnah. Susanne Wagner transformiert Sportkluft zu prachtvollen Abendroben, Sommerkleidern und schicken Oberteilen. Der Sportgedanke als Lebenshaltung bleibt bestehen, auch oder selbst wenn sich um die schmale Jackensilhouette großzügige Röcke aus farbigen Stoffbahnen bauschen. Die Farben sind exklusiv: Schwarz mit Gelb oder Lila, Braun und Rosa, Hellblau und Weiß. Die Stoffe stammen von einer alteingesessenen Berliner Restposten-Firma. Frau Wagner geht es um die Durchlässigkeit der Welt, in der es nichts Elitäres gibt. Schönheit, Nachhaltigkeit, Fantasie und Kreativität sind für alle da, man muß sie nur leben. Die Unikate und Kleinstserien der Designerin gelten der selbsständigen, toughen Frau. Berlin-Woman bespricht sich ausgiebig mit Frau Wagner, worüber unmerklich Tag 4 der Fashion-Week begonnen hat. Hier noch mal schnell Tag 3. Gute Nacht und guten Morgen!


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