Berlin-Woman über Louise Bourgeois (1911-2010), Bildhauerin

Berlin-Paris-New York-Charlottenburg

Louise Bourgeois

Als hätten es die Kuratorinnen der aktuellen Ausstellung „Double Sexus“ in der Sammlung Scharf-Gerbstenberg vorausgesehen. Ihre Protagonistin, die Bildhauerin Louise Bourgeois, die sich u.a. mit einem hervorragenden Alterswerk an der Seite des Surrealisten und Dadaisten Hans Bellmer behauptet, ist gestorben. Somit wird die Ausstellung gleich zu einer Ehrung. Louise Bourgeois blieb bis zuletzt produktiv und kreativ. Unsere Gast-Bloggerin, die Kunsthistorikerin und Autorin des vielgelesenen Buchs „So viel Energie. Weibliche Kreativität in der dritten Lebensphase“, Dr. Hanna Gagel widmet ihr hier  eine Hommage. Ein dickes schweizer „Merci“!

„Wenige Bildhauer haben Werke geschaffen, deren psychische Aspekte die physische Intensität von Bourgeois haben. Wir brauchen das – ihren skeptischen Humanismus, ihr listiges Lächeln.“ So hiess es zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2001. Jetzt ist Louise Bourgeois mit 98 Jahren gestorben.

Ich war dabei, als in der Kunsthalle Bern Mitte der 1980er Jahren eine der ersten Bourgeois-Ausstellungen in Europa stattfand. Völlig fasziniert ging ich durch die Gruppe schmaler, fragiler Holzskulpturen, die meine Grösse hatten. Es waren Objekte und zugleich Menschen – „Objet-Personnages“. So abstrakt sie waren, so ging doch eine merkwürdig sinnliche und zugleich psychische Berührung von ihnen aus.

Seitdem hatte sie Ausstellungen in Zürich, Bregenz, London, Berlin, Bielefeld, Paris. Louise Bourgeois wurde spät anerkannt, aber dann um so nachhaltiger. Der Durchbruch kam 1982 zu ihrem 70. Geburtstag mit der Ausstellung im Museum of Modern Art in New York. Bis dahin arbeitete die Französin weitgehend unbekannt, aber im intensiven Austausch mit der aktuellen New Yorker Kunstszene. Bourgeois, vom französischen Existentialismus und Rationalismus geprägt, geht mit geradezu existentialistischem Ernst den Spuren ihrer Kindheit nach, wobei sie sich stets fragt „Was für eine Form hat mein Problem?“, um anschließend festzustellen „Ich war in der Hölle und wieder zurück. Und ich kann Ihnen sagen, es war wundervoll.“

Hanna Gagel

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