1:0 gegen Serbien, der „Berlin-Woman-Trost“ für Fußball-Fans der WM 2010

WM-Schaufenster-Deko 2010. Foto: Berlin-Woman

Berlin-Zehlendorf-Kreuzberg- Südafrika

Miroslav Klose vom Rasen runter, 10 gegen 11 ist sowieso ungerecht, und dann der Jogi Löw sauer in die Chef-Kabine … Dabei war doch alles so super gegen Brasilien. Ach Quatsch, das ist ja erst. Welches Land war´s denn noch gleich: Ghana, Koratien, Montenegro? Solche halbgaren Radiofetzen schnappt Berlin-Woman auf, während sie die leergefegten Berliner Straßen entlangfährt und sich freut, freut, freut. Überall kommt man gut durch, kann die Termine pünktlich und entspannt einhalten, ja selbst das Einkaufen macht mit maximal zwei Leuten in der Schlange an der Kasse richtig Spaß.

Okay, okay, Berlin-Woman versteht auch die andere Seite. Selbst wenn es ihr klammheimlich nur um den schicken schwarzen Rolli von Joachim geht. Ist der nicht immer Spitze angezogen? Ab und an auch mal ein weißes, maßgeschneidertes Designerhemd, dazu ´ne schwarze Hose, fertig. Kein buntes Herumgeschreie wie bei Thomas Gottschalk, kein verkappter Poetenlook wie bei Ulrich Wickert & Co und keine Schnarchkluft wie bei den News-Versprechern: Klaus Kleber und so. Dieter Bohlen, der übrigens nie die Berlin-Woman-TÜV-Plakette bekommen würde, ist auch noch ganz passabel gestylt. Gute Farben, gute Schnitte, nur klein soll der sein, winzigklein … Aber jetzt sind wir ja schon wieder vom Thema abgekommen.

Thema ist eigentlich, dass ihr, liebe Fußballfans, egal ob XX oder YX, nun ganz, ganz stark sein müßt. Denn das neue Team – wer da genau drin ist, wissen wir nicht – zeigt gerade seine dunkle, unbekannte Seite. Die, die dran ist, wenn man Oberwasser hat oder seinen Gegenüber im Griff zu haben glaubt. Oder wenn Vollmond ist. Dann fletschen die Zähne und werden spitz und lang, die Zunge hechelt heraus, struppige Haare wachsen auf den Armen und im Gesicht, der Mund verlängert sich zu einer Schnauze, man/n lässt sich auf alle Viere herunter und beginnt zu jagen. Die Bestie steht vor dir.

Was ist denn heute mit Berlin-Woman los? Das wollte sie doch alles gar nicht schreiben. Thema war Mut und Trostzuspruch für die Fußballgemeinde. Total verfehlt, ja, es klappt einfach nicht. Da will, da muss was anderes raus:

Die Stimme bebt und der Blick ist Eis, gleich geht jemand hier zu weit,

die Zunge ist geladen und bereit, die Wörter von der Leine zu lassen, sich Feinde zu machen.

Die Pfeilspitzen voller Gift, der Feind wackelt, wenn du triffst.

Du triumphierst, wenn er kippt, doch morgen um diese Zeit tut es dir leid.

Hahnenkampf um einen Haufen Mist, jemanden opfern für nen lauen Witz,

eine Spinne totduschen, wenn du in der Wanne sitzt, einem Dummen zeigen, dass du schlauer bist.

Denn es steckt mit dir unter einer Haut, und du weißt, es will raus ans Licht,

die Käfigtür geht langsam auf und da zeigt es sich: Das zweite Gesicht.

Refrain:

Ein Biest lebt in deinem Haus, du schließt es ein, es bricht aus.Das gleiche Spiel jeden Tag, vom Laufstall bis ins Grab.

Ein Biest lebt in deinem Haus, du schließt es ein, es bricht aus. Es kommt durch jede Tür, es wohnt bei dir und bei mir.

Du willst nach vorn, die anderen wollen zurück, du hast Visionen, doch sie kommen nicht mit.

Jemand steht zwischen dir und deinem Glück, und es macht dich rasend, kannst es nicht ertragen.

Du guckst dir zu und hörst dich reden, du bist grad sensationell daneben,

versuchst vom Gas zu gehen, dein Fuß ist grad gelähmt, du siehst die Wand und fährst dagegen.

Du spielst falsch, um nicht zu verlieren, dann feiern, als wär nix passiert.

Dein Gewissen ist betrunken, die Frau deines Freundes kommt mit zu dir.

Es steckt mit dir unter einer Haut,und du weißt, es will raus ans Licht,

die Käfigtür geht langsam auf und da zeigt es sich: Das zweite Gesicht.

Refrain

Der Text stammt von einem guten Musiker und noch besseren Dichter unserer Zeit: Peter Fox, Das zweite Gesicht (CD: Stadtaffe).

Ein Gedanke zu „1:0 gegen Serbien, der „Berlin-Woman-Trost“ für Fußball-Fans der WM 2010

  1. Vorweg gesagt, Fußball kann eh nicht alles sein 😉 Der Uli ist nun nicht gerade ein wirklicher Peter Fox-Fan war aber von diesem genialen Text zu Tränen grührt. Danke dafür!!!

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