Die Künstlerin des Jahres: „My dirty little heaven“ von Wangechi Mutu

Noch bis zum 13. Juni in Berlin-Mitte

Sabine Ohrtmann: „My dirty little heaven“ von Wangechi Mutu

Wangechi Mutu. Foto: Friedhelm Denkeler

Heute schimpfen wir mal nicht über böse Banken und ihr Finanzgebaren, sondern loben die Förderung junger Talente durch die Finanzwelt. Aktuell stellt die Deutsche Bank  in der Deutschen Guggenheim ihre „Künstlerin des Jahres“ vor.

Wangechi Mutu, 1972 in Kenia geboren und in New York lebend, erschafft in den Räumlichkeiten Unter den Linden eine Welt für sich. Die Installation „My dirty little heaven“ ist eigens für diese Präsentation konzipiert. Ein irritierender, ja mutiger Titel, der Lichtjahre vom westeuropäischen Himmel entfernt und das ganze Gegenteil eines strahlenden Blaus ist. Die Fenster der Location sind dunkel verhangen. Filzstoffe und Klebeband deuten einen bis unter die Decke ragenden Baum an, der weder Blätter noch Früchte trägt. Ihm gegenüber läuft ein Video, das Wangechi Mutu bei einer Performance mit Wasser und Lehm zeigt. Auf weiß gestrichenen Holzgestellen in der Mitte des Raumes, die an Bahren, grobgezimmerte Betten in Krankenstationen oder provisorische Schlafstätten am Rande der Städte erinnern, stehen Gefäße. Roter Wein und Milch tropfen hinein, doch ist es kein Schlaraffenland. Der Wein läuft bereits über und bildet auf dem Boden große, rote Lachen; die Milch ist vergoren, und ein säuerlicher Geruch durchzieht den Raum.

Dennoch, geträumt wird auch hier. Zumindest auf den ersten Blick. An den Wänden hängen Collagen aus Hochglanzmagazinen der Modewelt und Technik. Federn, Perlen und Glassteine schmücken und verfremden weibliche Körper. Gliedmaße von Tieren, Früchte und Blumen irritieren Sehgewohnheiten. Mit Brillanz, Farbigkeit und dem alten Wissen, dass in menschlichen Behausungen Wände dekoriert werden, schaffen die Collagen eine Wohnatmosphäre, die eben nur entstehen kann, wenn Menschen noch träumen und Sehnsüchte haben, auch wenn sich am Boden bereits eine schmutzige Flüssigkeit den Weg  bahnt. Kurzum eine Ausstellung, die alle Sinne anspricht.

Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13, 10117 Berlin, bis zum 13. Juni. 4 Euro, montags Eintritt frei.

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