Voodoo am Montag: Die Sammlung von Marianne Lehmann

Heute heißen wir unsere zweite feste Berlin-Woman-Bloggerin: Sabine Ohrtmann, willkommen. Die gelernte Kunsthistorikerin, Kunstfreundin und gebürtige Berlinerin wird uns mit kriminalistischem Feingespür an ungwöhnliche und interessante Orte ihrer Home-Town führen und uns visuelle Genüsse zu günstigen Preisen empfehlen. Thank you , best of all bees.

Ethnologische Sammlung, Berlin-Dahlem

Voodoo-Kunst und -Kult. Foto: Friedhelm Denkeler

Zwei Wochen in der Verbannung. Es war irgendwo zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Heimgekehrt in die große Stadt. Den Karneval der Kulturen verpasst, aber hungrig auf Farben und Unbekanntes. Regenwetter? Also ins Museum. Wunderbare Ausstellung im Ethnologischen Museum in Dahlem entdeckt. Gerade eröffnet und noch bis zum 24. Oktober zu besichtigen. „Vodou- Kunst und Kult aus Haiti“ zeigt 350 Schätze aus der etwa 3000 Objekte umfassenden Sammlung von Marianne Lehmann, Port-au-Prince.

Die gebürtige Schweizerin zog 1957 der Liebe wegen nach Haiti. Wenn auch die Ehe zerbrach, die Liebe zu ihrer neuen Heimat und dem Zauber des Vodou (haitianische Schreibweise) blieb bestehen. Die westafrikanischen Glaubensvorstellungen der Sklaven mischten sich mit dem Katholizismus und insbesondere auf Haiti mit religiösen Praktiken der indianischen Urbevölkerung, den Taino. Bitte erwartet keine Zombies, mit Nadeln gespickte Puppen oder Figuren aus dem Michael Jackson Video „Thriller“. Die gibt es nur in der Fantasie von Regisseuren, Schriftstellern und anderen Unwissenden.

Wir aber betrachten die phantastischen, lebensgroßen „Bizango-Figuren“ der Geheimgesellschaften, die sich zur Zeit des Sklavenaufstandes bildeten. In den traditionellen Farben Rot und Schwarz gehalten und mit erschreckendem Antlitz ausgestattet, verkörpern sie den Mut ihrer Mitglieder im Kampf gegen die Unterdrückung. Wir sehen, wie durch den Mittelpfosten eines Tempels die Verstorbenen hinauf zu ihren Ahnen in ein mystisches Heimatland emporsteigen. Wir sehen heilige Gefäße, prächtig verziert und gefüllt mit magischen Substanzen. Stehen unter reich geschmückten, in buntesten Farben und feinster Handarbeit hergestellten Flaggen, die jeweils einen Geist (lwa) und dessen Macht repräsentieren, und wir spiegeln uns.

Da sind die herrlichsten barocken, überlebensgroßen Spiegel, die man sich denken kann. Sie wurden aus Europa importiert und mit Skelett-Ornamenten, Schädeln, Kreuzsymbolen, dem Antlitz Luzifers und bunten Gläsern verziert. Wir spiegeln uns in ihnen, und mit all dem vorher Gesehenen ergibt sich ein buntes Kaleidoskop. Und wir wünschen uns nach Haiti.

So viel künstlerische Fantasie und Freiheit, so viele Farben, so viel Energie und Kraft stecken in dieser Ausstellung, da ist aller Regen vergessen. Danke, Marianne Lehmann, für die Sammelleidenschaft. Mögen die Götter gnädig sein und die komplette Sammlung bald in einem Kulturzentrum Haitis der Öffentlichkeit zugänglich machen. Am 12. Januar waren es die Götter schon einmal und haben die Objekte von dem Erdbeben verschont. Es besteht also berechtigte Hoffnung.

Nach dem Ausstellungsbesuch lässt es sich ganz vorzüglich im Restaurant „Eßkultur“ im Untergeschoss des Museums speisen. Wir probieren marokkanisches „Huhn mit Datteln und Kichererbsen“ für 6,50 Euro.

Ethnologische Sammlung, Museen Dahlem, Lansstraße 8, 14195 Berlin, 8/4 Euro, bis 24.10.2010.

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