Zum WE: Eine Liebeserklärung an Berlin, Hildegard Knef und Heike Makatsch

Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen, und dein Mund ist viel zu groß,

dein Silberblick ist unverdrossen, doch nie sagst du: »Was mach‘ ich bloß?«

Berlin, du bist viel zu flach geraten für die Schönheitskonkurrenz.

Doch wer liebt schon nach Metermaßen, wenn du dich zu ihm bekennst?

Berlin, du bist die Frau mit der Schürze, an der wir unser Leben lang zieh’n.

Berlin, du gibst dem Taufschein die Würze, und hast uns dein »Na und« als Rettungsring verlieh’n.

Berlin, deine Stirn hat Dackelfalten, doch was wärst du ohne sie?

Wer hat dich bloß so jung gehalten, denn zum Schlafen kommst du nie.

Berlin, mein Gemüt kriegt Kinderaugen, und mein Puls geht viel zu schnell,

nimmst du mich voller Selbstvertrauen an dein verknautschtes Bärenfell.

(Charly Niessen/Hildegard Knef)

Filmplakat: Die Sünderin.

Keine Frage, Hildegard Knef ist ´ne Berlin-Woman.  Ihre schauspielerische Begabung wurde früh entdeckt, noch in der Zeit des Zweiten Weltkriegs begann ihre Karriere.  Nach 1945 spielte sie Theater, synchronisierte und drehte Filme. Legendär ist sie in „Die Mörder sind unter uns“ (1946) wo sie im kriegszerstörten Berlin eine junge und so was von schöne Fotografin und KZ-Überlebende mimt. Sie trifft auf einen traumatisierten Mann, dem sie hilft und seine unsinnigen Rachepläne an einem Nazi verhindert.

Der deutsche Film bevorzugte süße Mädels, und da die Berlinerin Hilde das nie war, setzte sie ihre Karriere in den USA fort.  Lernte unter anderem Marilyn Monroe und Marlene Dietrich kennen. 1950 drehte sie die erste deutsche Nacktszene in dem Film „Die Sünderin“. Das biedere Nachkriegsdeutschland schrie auf, Hilde „floh“ zurück in die USA und wirkte in Musicals mit. Natürlich überwarf sie sich mit ihrem Vertragspartner, der 20 Century Fox.

Ab Ende der 1960er Jahre trat sie mehr und mehr mit Songs in Erscheinung. Ella Fitzgerald soll sie als „beste Sängerin ohne Stimme“ tituliert haben. Das trifft zu, denn was Hilde mit ihrer tiefen und rauen Stimme produziert, ist kein kultiviertes Frauengeträllere. Es ist schwerer Sprechgesang, die Texte sind größtenteils selbst geschrieben. Wer sich nicht am spröden Vortrag und an der total übertriebenen Wimpern-Mascara der Knef stößt, der/die kann die witzigen, intelligenten und absolut direkten Songs genießen. Sie sind einfach Berlin!

Hilde scheute keine Skandale. Sie schrieb zwei Autobiographien, in denen sie den Tod des geliebten Bruders und ihre Krebserkrankung verarbeitete. Sie war dreimal verheiratet und verhehlte ihre Vorliebe für jüngere und sehr viel jüngere Männer nicht. Sie forderte die Boulevardpresse heraus, verschuldete sich hoch und nahm Musik mit „Extrabreit“ und dem leckren Jazz-Musiker Till Brönner auf. Leider starb sie 2002 und liegt nun auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof.

Ihre Kollegin Heike Makatsch sorgte 2009 dafür, dass sie auch den Jüngeren überliefert bleibt.  In „Der geschenkte Gaul“ spielte sie die Knef ganz, ganz fantastisch. Wider allen Unkenrufen meisterte sie die schwierige Rolle, indem sie Hilde war, aber Heike blieb. Das muss ihr erst mal eine nachmachen. Ist die Makatsch vielleicht die neue Knef? Auf alle Fälle, liebe verehrte Heike, hat dich Berlin-Woman im Blick. Du bist eine Kandidatin für uns!

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