Die Berlin-Woman-TÜV-Plakette an Paul Rascheja und „the Wall Gallery“

Berlin-Prenzlauer Berg

Paul Rascheja: the god in me. Foto: Berlin-Woman

Am vergangenen Donnerstag konnte Berlin-Woman ihre TÜV-Plakette gleich doppelt los werden. Kein Scherz, die Plakette ist echt in der Mache, und demnächst kann man/frau sie für ein paar Euro bei Berlin-Woman erwerben. Verliehen wird sie an faire, schlaue und sensible Männer, die unsere Kreativität unterstützen. Ein Teil der Einnahmen wird in einen Fonds für Kreativwirtschaft fließen, damit dieser wichtige Berliner Wirtschaftszweig nicht  nur auf dem Papier stehenbleibt. Irgendwer muss ja mal anfangen oder, Herr Wowereit? Also, Ladies, bald sortiert ihr die Berliner Männerwelt nach Spreu und Weizen und kurbelt die brach liegende Wirtschaft in der Hauptstadt an.

Kommen wir zu Paul. Der studierte Künstler und gelernte Motion-Grafiker Paul Rascheja widmet sich erst seit kurzem ganz seiner Foto-, Video- und Druckkunst. Seine aktuelle Ausstellung zeigt ihn als Vollblut-Künstler. Die höchst ästhetischen Arbeiten haben es in sich. Die großformatigen und perfekten Siebdruckportraits mit Oliver Kahn, Michael Ballack, Arne Friedrichs usw. wirken auf den ersten Blick wie visuelle Verehrungen DER MÄNNER „unserer Nation“. In Wirklichkeit ist die Serie „Der Stolz der Nation“ nicht aus Vorfreude auf die nahende Fussball-WM 2010 entstanden. Im Gegenteil bestehen die Gesichtskonturen aus fein säuberlich gesetzten Textfragmenten des abscheulichsten Buchs „unserer Nation“: „Mein Kampf“ von Adolph Hitler. Damit bezieht sich Paul auf den Ausspruch von George Orwell (1984), dass Sport Kriegsführung ist und die Fussballer Kriegshelden sind. Ab Juni geht´s ja wieder los …

Ähnlich subtil-krass ist Pauls zweite Arbeit, die aus mehreren alten Familienfotos in zerbrochenen Bilderrahmen zusammengesetzt ist. Der Künstler hat dem zarten, blonden Mädchen, das von den Familien-An-Gehörigen umringt ist, ein Loch ins Gesicht gebohrt und Puppenhaar hineingedrückt. Wie Quecksilber rinnen die langen Puppenlocken aus dem Mädchen heraus. „Der Gott in mir“ ist unter dem Einfluss der aktuellen Missbrauch-Debatte entstanden. So auch ein Video, das Paul in einem katholischen Internat in Berlin gedreht hat und das die Silhouetten der Jungen und Mädchen vor einem Fenster festhält.

Auch die vierte Arbeit wirkt beunruhigend, je länger wir uns mit ihr beschäftigen. Vor dem Brandenburger Tor, dem Alexanderplatz, dem ICC u.a. wuchert Unkraut, überall wächst dschungelartiges Grün, Risse gehen durch die Gebäude und die Häuser scheinen entleert und ruinös. Paul hat die aktuellen Berliner Ansichten so bearbeitet, dass sie aussehen, wie nach einem großen zerstörerischen und kriegerischen Angriff.

Dass wir bei dieser sensiblen und provokanten Kunst überhaupt noch Pauls Berlin-Woman-TÜV-Tauglichkeit überprüfen, geschieht pro forma. Der Künstler ist auf unserer Seite, das ist gar keine Frage: „Ich kritisiere das primitive Tier in uns, was hauptsächlich Männer betrifft. Ich finde, Frauen, sind die besseren Menschen“. Hier Paul, deine Plakette.

Die zweite Plakette geht an Julian Allitt, den Gründer der „thewallgallery“. Die Galerie ist in Kooperation mit dem Sender „Jazz-Radio“ entstanden und trägt ein Modell nach außen, das für die Kreativwirtschaft Vorbildfunktion hat. Die Künstler/innen bezahlen für ihre Ausstellung und kriegen dafür Werbung auf Jazz-Radio. Vielleicht habt ihr schon die Ankündigungen und Beschreibungen auf dem Sender gehört. Nachhaltige und außergewöhnliche Werbung, die völlig aus dem Rahmen des üblichen Akustik-Marketings fällt. In Planung, so erzählt die Kuratorin der aktuellen Ausstellung, Sandra Discher, sind kostenfreie Veranstaltungen und Markt-Events, auf denen die Künstler/innen ihre Arbeiten „life“ verkaufen können.

Das wird im Fokus von Berlin-Woman bleiben, und im Namen der Kreativwirtschaft sagen wir Paul, Julian und Sandra schon mal: „Bitte macht weiter so. Berlin braucht Leute wie euch!“

Paul Rascheja, New Works. Video, Sculpture, Collage, Photo, the wallgallery, Brunnenstrasse 39, 10115 Berlin. Bis zum 10.6.2010

2 Gedanken zu „Die Berlin-Woman-TÜV-Plakette an Paul Rascheja und „the Wall Gallery“

  1. Ja, wir untersuchen und optimieren die Kreativwirtschaft in Berlin. Damit nicht nur davon geredet wird, sondern der zukunftsweisende Wirtschaftszweig auch wirklich entsteht. Let´s do it!

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