A Letter from Berlin-Woman to Whitney Houston

O2 Halle Berlin-Friedrichshain, den 12.5.2010

Whitney Houston, Konzert in der O2-Halle in Berlin 2010, Foto: Berlin-Woman

Dear Whitney,

heute war dein Konzert. Die Massen strömten: aus der Hauptstadt, aus der Provinz, es waren Kinder, Omas, junge, alte Leute dabei. Sogar einen Blinden habe ich gesehen. Einige hatten sich extra schick für dich gemacht, als würden sie zu einem Fest gehen. Die Karten waren auch nicht gerade billig.

Nach drei Vor-Bands ging endlich der Vorhang auf. Das Bühnenbild war klasse, eine riesige ovale Leinwand, auf der kleine Filmszenen projiziert wurden. Davor deine erstklassige Combo. Dann kamst du.

Ich kenne dich schon lange, du bist etwa so alt wie ich. Süß warste früher mit den Löckchen und den schönen braunen Augen: „I wanna dance with somebody“ und „How will I know“. Später wurdest du zur Diva mit coolen Klamotten, cooler Frisur. Schlank, grazil, mit schönen Bewegungen: „Step by step … mile by mile“. Besonders mochte ich dein Kopfwackeln, das aussah wie bei einer indischen Tempeltänzerin. Und deine Stimme: kräftig, hell, ganz hell und silbern, ein bisschen wie ein Jungen-Engel. Das Higlight „Bodyguard“: „I will always love you“. Deine Stimme trug uns direkt in den Liebeshimmel, auch wenn dort nur der unsägliche Kevin Costner wartete.

Man hörte Unerfreuliches. z.B. Dein Ex, Bobby Brown, würde niemals die Berlin-Woman-TÜV-Plakette bekommen! Es brodelten Gerüchte über Haue, Abstürze, die Scheidung, das Sorgerecht für die Tochter, eben alles, was sensiblen Künstler/innen  so  widerfahren kann. Also, ich hab´s immer so verstanden, dass du vom Starsein genervt bist, dass du zeigen willst, wie hart und unerbittlich es ist. Gerade für eine Frau, die von Kindesbeinen an auf der Bühne steht. Du hast dagegengehalten, bist immer wieder auf die Füße gekommen und deine Songs und dein Styling fingen uns ein, immer.

Und jetzt? Die große schwere Frau da vorne tänzelt über die Bühne, sie kann die Schritte aus dem FF, wird sie bestimmt noch im Altersheim können. Das Outfit in schwarzer Lederkluft und die Bewegungen erinnern sehr an Tina Turner. Nur Tina ist immer für uns da. Die Frau aber redet viel: über Gott, dass sie uns liebt, über ihre neuste CD, die wir kaufen sollen. Dann singt sie was Souliges vor. Die Stimme hat eine große Breite, aber keine Höhe mehr, da kickst es gewaltig. Sie verschwindet, ein Soulsänger, dessen Namen ich nicht mitbekommen habe, tritt auf. War´s das etwa?

Dann kommst du wieder, im knallengen weißen Abendkleid. Einen Moment Hoffnung: Ja, da ist sie wieder, die alte Whitney, die Diva mit Glamour, Arroganz und Charme. Aber nix ist,  jetzt geht´s um Michael Jackson. Scheinst echt traurig über den Verlust deines Freundes und Kollegen zu sein. Es gibt wieder ein paar soulige Songs und Gospels, die schwer aus deinem Mund fallen. In einer Kirche, einer Bar oder einer kleineren Halle wären sie toll. Hier, im O2- Riesen verlieren sie sich. Wieder denkt man, es ist aus, doch dann haust du zwei, drei alte Stücke raus. Das Publikum tanzt und rast, das wollte es die ganze Zeit. Und das kotzt dich an. Ich denke, „Mensch das ist kein Konzert, das ist ´ne Performance“. Zwischendurch kicherst du und flirtest mit einer Transe aus der ersten Reihe. Wir fangen alle an zu lachen, die Ersten gehen. Doch die Berliner gehen ja auch sofort, wenn Hertha zu verlieren beginnt. Oder stellen sich mit dem Rücken zum Spiel. Das tust du übrigens auch, du zeigst uns, dass du echt keinen Bock mehr auf das Old Game hast. „Irgendwie gut“, sagt meine Begleitung Doro Ringe vom Unternehmen integratives Reisen, „Ich fange an sie zu lieben“. Du trittst von der Bühne ab, viele, viele gehen.

Pow, da geht das Licht ein drittes Mal an, da stehst du in Jeans und mit dem Outfit in Weiß, das du am Anfang in Schwarz anhattest. Singst ein paar neue Sachen, bei denen es nicht stört, dass die Stimme anders ist als früher. Du fetzt über die Bühne, siehst jung und ganz normal aus. Dann biste weg, und dieses Mal richtig …

Dear Whitney, I will always love you, egal was kommt.  Sincerely your´s Berlin-Woman alias Bees&Butterflies

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