Kindertauglich: Preußischer Frühling III., Louise. 3 Jahre Galerie KUNST-KONTOR

Bertinistraße am Heiligen See, Potsdam

Foto: Tom B.W und Georg D.R

Es ist Sonntag, und es scheint die Sonne. Was tut man Besseres, als raus und „int Jrüne“, wie der Berliner zu sagen pflegt? Berlin-Woman fährt nach Potsdam zum Heiligen See, parkt an der Alten Meierei, wo man übrigens auch schön sitzen und aufs Wasser schauen kann. Es geht am Ufer und die Bertinistraße entlang, wo ein Landhaus neben dem anderen steht. Dann sind wir auch schon da, durch den Garten, die Treppe hinauf und befinden uns im KUNST-KONTOR von Friederike Sehmsdorf.

Ohne zu wissen, wieviel Zulauf sie haben würde, öffnete die engagierte Kunsthistorikerin, Salondame, Galeristin und Kultur-Botschafterin ihre Räume vor drei Jahren im eigenen Domizil. Bei der Vernissage heute sind locker zweihundert Personen anwesend. Verbindlich und souverän leitet die Gastgeberin – die übrigens eine zauberhafte Ähnlichkeit mit Romy Schneider hat – in die Show ein, die der Preußen-Königin Luise gewidmet ist. Ausgestellt sind Werke von Sybille von Preußen, Julia Theek und Moritz Götze. Das sind drei Künstler/innen, denen die Thematik alles andere als fremd ist. In scherenschnittartigen Collagen, Portraits, Objekten und Gemälden setzen sie sich schon lange damit auseinander. Die Arbeiten zeigen uns, wie nah das Thema an unserer Zeit ist.

Die Ausstellung gibt Gelegenheit, den Kindertauglichkeitsprüfer von Berlin-Woman, Tom B.W. zu Wort kommen zu lassen. Da wartet er auch schon und hat gleich seinen Kollegen Georg D. R. mitgebracht. Die beiden 10-/bzw. 11-jährigen „Unbestechlichen“ werden die Ausstellung gemeinsam mit Berlin-Woman unter die Lupe nehmen, das beste Werk bestimmen, das Publikum voten und ein paar Foto schießen. Los geht´s:

BW: „Was ist denn so euer Favorit?“ Die Unbestechlichen: „Na, das hier (Wir stehen vor dem großen Bild: „Preußens Luise“, 2010, von Moritz Götze ). Es sieht vielversprechend aus“. BW: „Was seht ihr?“ Die Unbestechlichen: „´ne Kiste, ´ne Ritterrüstung. Hat mit der Armee zu tun. Das Bild sieht altmodisch aus, so vorm 1. Weltkrieg bis zum Mittelalter. Da ist das Eiserne Kreuz. Und da sind, wie heißt so was? Ach ja Büsten, mehrere Büsten. Und rechts im Hintergrund sind nicht fertiggestellte Gemälde“. „Und was ganz wichtig ist, es ist mit Wachsmalkreiden und Bleistift gemalt. Und wie nennt man diese goldene Farbe? Richtig: Aquarell“.

Foto-Berlin-Woman

Wir gehen zu den „Köpfen aus der Serie Walhalla“ von Götze weiter. Die Unbestechlichen: „Wir sehen, wo was außergewöhnlich ist. Aber die Köpfe sind nicht unser Favorit. Hier die Mädels (Emaillemädchen) tragen außergewöhnliche Kleider, es ist immer dieselbe Figur“. BW: „Was ist denn auf den Kleidern drauf?“ Die Unbestechlichen: „Ein Prinz, nein, ein König, nein eine Armee. Das Kleid hat mit Armee zu tun. Und da ist noch so´n Ölkranz, wie bei Cäsar“.

Foto:Berlin-Woman

Wir schauen uns die Schuhe von Julia Theek an. BW: „Was haltet ihr von diesen Schuh-Objekten?“ Die Unbestechlichen: „Brutal, brutal. Weil da so viele Messer und Waffen am Schuh sind. Da ist auch ein Kreuz von Preußen, wie von der Bundeswehr, nur ohne Inschrift. Die Schuhe würde ich niemals anziehen. Erst mal sind es Frauenschuhe, und dann sind die Sohlen aus Messern. Das Objekt ist gut, es ist symbolisch“.

BW: „Königin Luise, kennt ihr die eigentlich?“ Die Unbestechlichen: „Ist die Königin halt. Von Preußen. Und war mit Ludwig XIV. verheiratet?“ BW: „Ne, das ist Frankreich. Luise war mit Friedrich Wilhelm III. liiert“. Die Unbestechlichen: „Die Mädchen sind nicht unsere Favoriten. Schreib auf, dass wir Jungs sind. Und das da sind Frauen. Wie heißt die Ausstellung?“ BW: „Irgendwas mit Luise und Preußen“.

BW: „Wie findet ihr die Galerie und das Publikum?“ Die Unbestechlichen: „Die Rede ist ziemlich lang. Aber die Atmosphäre ist gut, alles Leute, die sich für Kunst interessieren. Ich kenne sie, hab sie bei anderen Ausstellungen schon gesehen, alles engagierte Leute“. BW: „Und Friederike Sehmsdorf?“ Die Unbestechlichen: „Nett, ja nett und hübsch. Also, die Galerie ist nicht verkehrt. Ruhige Lage, schön am See, ist zwar nicht zentral, aber gut erreichbar“. BW: „Kommt ihr wieder?“ Die Unbestechlichen: „Vermutlich schon“.

Tom: „Dürfen wir fotografieren? (Beide schießen Fotos von den Arbeiten und der schönen Friederike). Und machst du uns einen Presseausweis mit Plastikschnur? Dann können wir zur Internationalen Flugschau nach München und darüber berichten“. BW: „Okay, meldet euch schon mal von der Schule ab“.

Tom: „Dass du uns einen internationalen Presseausweis besorgst, ist echt klasse“.

KUNST-KONTOR, Bertinistr. 16b, 14469 Potsdam. Bis zum 26.6.2010.

Ein Gedanke zu „Kindertauglich: Preußischer Frühling III., Louise. 3 Jahre Galerie KUNST-KONTOR

  1. Ein „unbestechlicher“ Blick auf die Kunst. Nicht von irgendwelchen/m pseudo Wissen(schaften) getrübt. Messer sind gefährlich. Mädchen nicht ganz so interessant. Und mit einem internationalen Presseausweis kommt man überall rein. Klasse!
    Inspiration durch Kunst, aber der anderen Art.

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