Weiterbildung: Galerie- und Kunstassistentin. Berlin-Woman im Gespräch mit Andreas A. Koch

Forum Berufsbildung, Charlottenstraße, Berlin-Kreuzberg

Foto: Berlin-Woman

Andreas A. Koch ist busy, er telefoniert, ist im ständigen Kontakt mit den Teilnehmer/innen seines Weiterbildungsprogramms, plant und strukturiert den 2. aktuellen und den 3. kommenden Durchlauf. Trotzdem nimmt er sich Zeit, und wir sprechen erst mal über Kunst. Dabei stellen wir fest, dass der Konzept-, Text- und Existenzkünstler Timm Ulrichs in unserem Ranking ganz vorne liegt und Olafur Eliasson, Thomas Demand oder Damien Hirst locker abschlägt.

Das Büro des Erfinders, Initiators und Leiters einer der innovativsten Fortbildungen in ganz Berlin liegt im „Forum Berufsbildung“ in Kreuzberg. Hier können sich Kreative, Künstler/innen und Menschen mit einer großen Kunstaffinität zum/zur Galerie- und Kunstassistenten/in ausbilden lassen. Man lernt alles, was zur Arbeit in einer Galerie, einem Künstleratelier, auf Kunstmessen und anderen damit verwandten Einrichtungen nötig ist: Kaufmännisches, Projektmanagement und Marketing, PR, Logistik, Katalog-Erstellung, Netzwerken, Kuratieren, Bildrecht, Vertragsrecht, EDV, Kommunikation und … die Nerven bewahren.

Denn die Arbeit in einer Galerie und im Kunsthandel, so Andreas A. Koch, ist alles andere als stressfrei. Sie verlangt eine Vielfachbegabung. Wundern tut es ihn gar nicht, dass sich so viele Frauen aus dem Kreativbereich für seine Weiterbildung interessieren, bei ihm lernen gerade 15 XXs und 2XYs. Bewerbungen gibt´s reichlich, mehr als 150 aus ganz Deutschland.

Die Idee kam Andreas A. Koch, weil er immer darüber rätselte, was da eigentlich in den Galerien passiert: Da sitzt eine, sitzen höchstens zwei Personen den ganzen Tag in einem Raum, in dem Kunst gezeigt wird, meistens ist ein weißer Apple-Laptop mit von der Partie. Und das scheint auch schon alles zu sein. Die eigentliche Arbeit, der harte Knochenjob des Kunstverkaufens, bleibt im Verborgenen. Ist nicht Vernissage oder Finissage, kommen gerade mal 4-5 Besucher am Tag, die sich über die Schwelle der coolen Galerielokalität hinweg trauen. Warum funktioniert das nicht wie im Zeitungsladen, wo man sich trifft, kommuniziert und handelt? Schließlich werden an beiden Orten Geschäfte gemacht. Andreas A. Koch will zeigen, dass die Galerie ein Betrieb ist und als solcher geführt werden will.

Durch die Debatten über die zeitgenössische Kunsthalle in der ehemaligen Kreuzberger Blumenmarkthalle kam Andreas A. Koch zum „Forum Berufsbildung“. Dann ging alles ganz schnell. Nach einer ausgiebigen Arbeitsmarktanalyse, mit der er beweisen konnte, dass es tatsächlich Bedarf an Galerieassistent/innen gibt, erhielt er die Akkreditierung für das Weiterbildungsprogramm. Nun zahlt die Arbeitsagentur für ALG I oder ALG II-Empfänger. Ohne den Bildungsgutschein kostet´s rund 4.800 Euro. Das klingt erst mal viel, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass man 10 Monate ganztägig und von renommierten Dozenten, teilweise Promis aus dem Kunstbereich, geschult wird. Ein 3monatiges Praktikum ist inklusive, sowie die Durchführung einer Ausstellung als gemeinschaftliches Abschlussprojekt. Es gibt eine Mehrzweck-Ausstellungshalle, in der gerade die sehenswerte Ausstellung „Ohne Gebrauchsanweisung. Rezeption von Kunst im öffentlichen und privaten Raum“ präsentiert wird.

Was der gelernte und praktizierende Künstler Koch (auch Kochkünstler, wer ihn beim „perfekten Dinner“ gesehen hat) in seinen Ideen bestärkt, sind die Galerien selbst, die sich rund um das Forum Berufsbildung angesiedelt haben. Als hätten die Galeristen ein Sensorium dafür, dass hier etwas Zukunftsweisendes heranwächst, ein neuer Berufszweig: Arbeiter für die Kunst. Wir sprechen darüber, ob es nicht gerade die Galerist/innen sind, die Berlin mitgestalten und wieder auf Vordermann bringen könnten. Als kreative Unternehmer/innen führen sie die Kreativwirtschaft und damit den neusten Trend der deutschen und Berliner Wirtschaft an. Was hat Berlin mehr zu bieten, als ein unglaubliches Potenzial an Kreativität? Mit dem Beruf der Galerie- und Kunstassistentin, so meint Andreas A. Koch, werden die Galerien zu Netzwerken. Nachweisbar sind die erfolgreichsten unter ihnen „Duogalerien“, also Betriebe, wo sich zwei die Arbeit mit der Kunst teilen. Das ist die Urzelle breitenwirksamer Kreativ-Vernetzung.

Berlin-Woman ergreift die Gelegenheit zu einem Mini-Interview, als die gelernte Kamerafrau und Lehrgangsteilnehmerin Stephanie Frings ins Büro hineinschaut. Das Fortbildungsangebot wäre für sie gerade zur rechten Zeit gekommen. Die technischen Veränderungen in der Filmbranche hätten ihr die Berufsausübung zunehmend erschwert. Nun will sie ihre Kompetenzen mit dem neu Erlernten kombinieren. Stephanie Frings wünscht sich, dass die Agentur für Arbeit achtsamer mit den Kreativen umgeht. Und sie sieht in Pools, in denen sich Leute derselben Sparten zusammenschließen, eine Zukunftsperspektive. Das klingt echt nach neuen gewerkschaftlichen Organisationsformen. Wow, hier sind wir am Puls der Zeit.

Bei so viel Innovation bleibt Berlin-Woman nur noch, Andreas A. Koch nach seinem Wunsch und danach zu fragen, welches Portraitfoto er denn gerne für den Blog-Beitrag hätte. Er wünscht sich, dass die nächste Ausstellung wieder so erfolgreich, aber etwas ganz Anderes wird. Dann wählt er das Foto, auf dem sein Kopf angeschnitten ist. Allein dafür kriegt er die Berlin-Woman-TÜV-Plakette verliehen!

Galerie- und Kunstassistentin, Forum Berufsbildung, Charlottenstraße 2, 10969 Berlin.

Ein Gedanke zu „Weiterbildung: Galerie- und Kunstassistentin. Berlin-Woman im Gespräch mit Andreas A. Koch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.