Romy Schneider, noch vier Wochen in Berlin

Foto: Berlin-Woman

Ort: Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Platz

An Romy Schneider scheiden sich die Geister, die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Was ist dran an dieser Schauspielerin, dass sie dermaßen polarisiert? Das beantwortet die geniale Ausstellung „Romy Schneider. Wien. Berlin. Paris“, die in der Deutschen Kinemathek gezeigt wird.

Genial ist die Schau, die mit vielen Fimplakaten, Werk- und Privatfotos, Briefdokumenten, Kostümen und Kostümentwürfen, Filmausschnitten und Filminterviews aufwartet, insofern, als dass sie Romys fatale Sissirolle nur in einem Satz erwähnt. Damit sind wir „aus dem Schneider“ raus, auch nur eine sentimentale Erinnerung an die Sonntagnachmittage mit Oma auf´m Sofa und Sissi im Schwarz-Weiß-Fernseher zu verschwenden. Hier gehts um die facettenreiche und widersprüchliche Persönlichkeit dahinter. In vier farbigen Sektionen wird Romys Geschichte von der „Tochter“ über den „Aufbruch und Neubeginn“, den „Weltstar“ bis hin zur „Zerstörung“ erzählt.

Lindgrün: Sofort wird klar, dass die ehrgeizige Mutter Magda Schneider eine Schlüsselfigur im Werden und Vergehen der hochbegabten Tochter gewesen ist. Sie forciert Romys Schauspielkünste, presst sie aber zugleich in die Position der Braven, Konformen. In „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ (1953) bekommt Romy ihre Tochterrolle direkt auf den Leib „geschneidert“. Und so soll sie bleiben, sagt uns das erschreckende, riesige Portraitfoto von Magda und Romy, auf dem die Mutter wie ein wild gewordener Transvestit die zarte Tochter halb verdeckt. Romy wehrt sich, und löst sich bereits in „Mädchen in Uniform“ (1958), verfilmt mit Lilo Pulver, aus den Klischees. Als in ihre Lehrerin unglücklich verliebte Internatsschülerin zeigt sie uns alle Qualen, Leiden und Leidenschaften dieser unmöglichen Liebe. Eine schauspielerische Glanzleistung. Im selben Jahr haut sie ab nach Paris, um mit Alain Delon zusammen zu sein.

Blütenweiß: Die beiden schönen, wilden und aufstrahlenden Sterne treten eher wie Geschwister denn als Liebespaar auf. Romys Träume scheinen in Erfüllung zu gehen. Sie arbeitet mit Weltberühmtheiten der Film- und Fotoszene zusammen: Preminger, Visconti, Welles, Allan, Perkins, Piccoli, Gundlach, Lederle und Fritz. Sie spielt Huren, Geliebte, Engel und Lügnerinnen. Wunderschön und begehrenswert ist sie, und sie weiß das, wenn sie sich rauchender und trinkender Weise in den Pariser Bars ablichten lässt. 1964 verlässt Delon die Schauspielerin, die daraufhin einen Selbstmordversuch begeht.

Feuerrot: Frankreich macht sie dennoch zum Star. Sie dreht mit Chabrol, Deferre und Zulawski, Sautet. Es kommt zu einer filmischen Reunion mit Delon in „Swimmingpool“ (1968), einem Thriller, der rund um ein hellblau schimmerndes Becken spielt. Gebräunte Haut, Liebesszenen, die verdammt echt aussehen, Romy und Delon geben neben der jungen Jane Birkin und neben Maurice Ronet ihr Bestes. In der südfranzösischen Sommersonne brennt der Film geradezu vor verdeckter Erotik und Verführung. So richtig tolles französisches Kino. Gleichzeitig spielt Romy auch Rollen, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander setzen. 1966-1975 ist sie mit dem deutschen Schauspieler Harry Meyen verheiratet. Man versucht sich im bürgerlichen Familienleben, David Christopher wird geboren. Meyen begeht 1979 Selbstmord. 1973 zeigt sich Romy nackt im Wasser mit aufgerichteten Brustwarzen auf dem Titelblatt des Sterns und propagiert die freie Liebe. Deuten wir ein Foto und ein Telegramm richtig, so hatte sie vielleicht sogar was mit Willy Brand.

Ascheglut: 1975 ehelicht Romy ihren elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini, Sarah Magdalena kommt zur Welt. 1981 geht alles in die Brüche. Schon lange nimmt Romy Drogen, trinkt, vertut die Zeit mit Liebhabern, verprasst Geld. Zugleich sucht sie den Kontakt zu den großen deutschen Schauspielerinnen: Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Maria Schell. Sie sehnt sich nach Anerkennung, Bestätigung und dem Publikum. Ihr Gesicht ist von ihren Exzessen gezeichnet, demonstrativ zeigt sie es in den letzten Filmen, u.a. „Das Verhör“ und „die Spaziergängerin von Sans-Souci“ her. Ihre Rollen sind nun Missbrauchte, Verfolgte, Zerstörte. Romy steht zu ihrem körperlichen und seelischen Verfall, denn die Liebe, die sie schon als Kind nie erfahren hat, ließ sie immer im Stich.

1981 stirbt ihr Sohn bei einem tragischen Unfall. Am 29. Mai 1982 findet man sie tot in ihrer Pariser Wohnung auf. Manche sagen, sie sei am gebrochenen Herzen gestorben.

Romy Schneider. Wien. Berlin. Paris. Deutsche Kinemathek. Museum für Film und Fernsehen. Filmhaus am Potsdamer Platz, Potsdamer Str. 2. 10785 Berlin. Eintritt 4 Euro, erm. 3 Euro. Bis zum 30.5.2010.

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