Berlin-Woman im Xing- und Facebook-Fieber

Foto: Berlin-Woman

Ort: Internet, die Welt und Berlin

Das hat vielleicht gedauert, bis ich mein Profil auf Facebook hatte. Erst mal bin ich da gar nicht richtig reingekommen. Passwort, einloggen, anmelden, registrieren, ja was denn nun? Nein, ich bin noch nicht registriert. Wie, ihr wollt mein Passwort nicht? Und wieso nehmt ihr mich immer noch nicht, wo ich doch alles ausgefüllt und angegeben habe? Passwort falsch? Hier geht´s schlimmer zu, als auf dem Einwohnermeldeamt. Erbost logge ich mich aus. Dann eben ohne mich.

Beim zweiten Anlauf war´s mir dann fast zu schnell. Ich fühlte mich von der großen Facebookmaschinerie verschlungen, aufgefressen und verdaut. Mensch, was wissen die denn alles über mich? Da ploppen ja Profile von Leuten auf, mit denen ich im letzten Jahr gemailt habe. Wie unheimlich. Mittlerweile hab ich mich dran gewöhnt, habe diese Kontakte auf mein Profil gestellt, kommentiere, poste fast täglich und erwische mich dabei, dass ich zur Facebookerin werde. Hab vor ein paar Tagen alte Fotos von mir reingestellt, und das Hundebild einer meiner neuen Freundinnen hab ich auch schon kommentiert: „Gefällt mir“, hab ich angeklickt. Was ist denn mit mir los? Na, mittlerweile gefällt´s mir, wenn meinen Facebook-Genoss/innen gefällt, was mir gefällt. Wer sagt einem denn auch sonst: „Hey, das finde ich gut“. Dafür habe ich jetzt mein Facebook.

Auf Xing gibt man sich professioneller, postet ein cooles Portraitfoto, offeriert seine beruflichen Daten und sagt zurückhaltend, was man sonst noch so auf der Pfanne hat. Täglich dürfen 20 neue Kontakte geknüpft werden, wozu Xing eine große Auswahl anbietet: „Diese Kontakte könnten Sie auch noch haben“, sagt mir ein Banner. Hochgerechnet wären das bei meinen 50 eigenen und deren jeweils 40 Kontakten 2.000. Dafür müsste ich etwa 100 Tage einkalkulieren, was fast ein Drittel eines Jahres wäre. Ich möchte die zukünftigen Kolleg/innen tatsächlich gewinnen, also spreche ich sie in der Kontakt-Mail persönlich an. Was für ein Aufwand, aber man hat ja sonst nichts zu tun.

Während die Facebooker gnadenlos herumflirten und auch schon mal die Hosen runterlassen, sind die Xingleianer distinguierter. Hier läuft das Daten nebenbei, jedoch nicht weniger busy. Xing zeigt alle gemeinsamen Kontakte an, da bleibt nichts verborgen. Bei meiner Kolleg/innen-Akquise treffe ich denn immer wieder auf dieselben netten Herren. Offensichtlich haben wir eine gemeinsame Zielgruppe: Künstlerinnen aller Sparten und kreative Frauen. Es soll ja schon zu Xingelischen Eheschließungen gekommen sein.

Wozu der ganze Aufriss? Berlin-Woman, selbst eine Netzgeburt, braucht natürlich das Netz und die Vernetzung. Setzt du meinen Link, setze ich deinen, postest du mein Interview, poste ich deines. Verbreitest du meine Statusmeldung: „Berlin-Woman war gestern auf der hippsten Party in Berlin“, dann verbreite ich deine. Und schwupps, hast du nicht gesehen, sind wir alle reich und berühmt. Nur wo und für wen?

Im Netz gibt´s keinen Kaffee und Kuchen. Den kriegst du nur analog. Also lass uns ein Date machen. Hab von einer schönen Location gehört, die eine von uns draußen, im realen Berlin aufgemacht hat. Da gehen wir doch gleich mal hin…

3 Gedanken zu „Berlin-Woman im Xing- und Facebook-Fieber

  1. Tja, die Zeitfalle namens Social Media. Das kommt mir sehr bekannt vor! Und auf analogen Kaffee und Kuchen will auch ich keinesfalls verzichten ;-).

  2. Nein, ich werde wohl nicht facebooken und auch nicht xingen. Neugierig war ich aber schon, wegen der alten Fotos… und siehe da, genau in dieser Zeit haben wir uns kennengelernt. Wie schön!
    Bis bald bei einem „Kunst-vor-Ort-Besuch“.
    Biene

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