Vorreiterin, Ausstellung zum Gabriele Münter-Preis 2010

Foto: Art-in-Berlin

Ort: Martin-Gropius-Bau

Wenn Männer sich feiern, dann tun sie es richtig, egal wieviel Geld da ist. Sie schwingen Reden, klopfen sich auf die Schulter, engagieren eine Big Band, der Schampus fließt. Und Lachsbrötchen gibt es auch ohne Ende.

Frauen tun das nicht. So fällt die Verleihung des Gabriele Münter-Preises, die höchste Auszeichnung für Künstlerinnen in Deutschland, an die diesjährige Gewinnerin Christiane Möbus sparsam aus. Selbst die Schirmherrin Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hält´s knapp. Unprätentiös mit Zopf und nur einem Bodyguard verkündet sie ihre Überzeugung von einer real existierenden Gleichberechtigung. Daher müssen wir die Getränke auch selbst bezahlen. Außerdem zieht es beim Festakt im Foyer des Martin-Gropius-Baus, und zwar tierisch.

Die Objektkünstlerin und Kunstprofessorin Möbus nimmt´s gelassen, sie weiß, wie gut ihre Kunst und diejenige der 40 Finalistinnen ist, die in der Preisausstellung gezeigt wird. Die Jury hat bestens entschieden. Alle Medien: Fotografie, Malerei, Installation und Video sind vertreten. Und die Arbeiten decken das ganze Spektrum politischer, ästhetischer und existentieller Fragen ab.

Claudia Schmacke setzt Wasser, das sie durch ein Schlauchsystem leitet, als bildhauerisches Material und mit der Besitzfrage: Wem gehört das kostbare Nass, ein. Annette Schröter schneidet graffiti- und comicartige Szenen aus schwarzem Papier. Ihre agressiven Undergroundmotive demontieren das Klischee des niedlichen Scherenschnitts. Ulrike Oeter betreibt mit ihrem mobilen Straßenmuseum Erinnerungsarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus. Auch Annegret Soltau schaut in die Vergangenheit : Sie collagiert und bestickt die Dokumente, die sie auf der vergeblichen Suche nach ihrem unbekannten Vater, Soldat im 2. Weltkrieg, zusammengetragen hat. Luzia Simons scannt Dinge, z.B. Tulpen, die durch den technischen Vorgang wie altmeisterliche Stillleben aus der Perspektive einer Camera-Obscura ausschauen. Ping Qiu baut bei Pasewalk einen Europagarten als 10.000 qm große Installation, verwandelt die Schachtöfen im Museumspark Rüdersdorf in eine Kultstätte und setzt Seerosen aus Gummihandschuhen in das Bassin des Berliner „Haus der Kulturen der Welt“. Die Malerei und Zeichnung ist mit Xenia Hausners Portraits, den Glasbildern von Petra Frey und Anja Schreys großformatigen fotoähnlichen Buntstiftarbeiten hervorragend besetzt. Die Tierpräparate und diversen Fortbewegungsmittel von Christiane Möbus behandeln das Thema Kreatur und Mobilität.

Um am Wettbewerb teilnehmen zu können, muss man/frau über 40 Jahre alt sein. Also versammeln sich hier Frauen, die professionell höchst erfahren sind und künstlerisch echt was zu bieten haben. Es ist die Crème de la Crème der in Deutschland arbeitenden Künstlerinnen.

Ja und last but not least: So viele schöne Männer wie bei der Eröffnung am 13. April hat Berlin-Woman schon lange nicht mehr auf einem Fleck gesehen: geschmackvoll gekleidete Ästheten mit sensiblen und intelligenten Gesichtszügen, schlanker Silhouette und hier und da einem Silberstreifen im vollen Haar, hmm. Sichtlich legen die Künstlerinnen auch bei ihren Assistenten, Kollegen, Freunden, Geliebten und Ehemännern nur allerhöchste Maßstäbe an.

Vorreiterin. Ausstellung zum Gabriele Münter-Preis. Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr.7, 10963 Berlin. Bis 16. Juni 2010.

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