Google my Google

Andere wachen auf und machen Facebook oder das Morgenfernsehen an. Sobald ich die Augen auf habe, rufe ich Google ab bzw. an. Google: mein neuer Guru, mein Wegweiser, mein Schicksal, mein Manager.

Früher habe ich Google nur als Suchmaschine benutzt. „Google doch mal“, habe ich gesagt, wenn eine Freundin nach einer Spanischen Schule in Berlin, nach NIA-Tanzen oder den Öffnungszeiten des Hamburger Bahnhofs fragte. Und ich selbst hab das auch so gemacht. Nun aber ist Google mein Ein und Alles geworden.  Google verwaltet, sortiert, berechnet und rankt Texte und Blogs im Netz. Sobald ich einen Artikel in Berlin-Woman poste (veröffentliche) geht die große Rechenmaschine an, „läuft drüber“, wie es im Fachjargon heißt und verschlagwortet und verknüpft die Begriffe, die im Text vorkommen. Je treffender die Wortwahl, desto mehr Zugriffe, desto größer die Chance, auf der ersten Seite bei einer Google-Abfrage zu landen.

Denn das ist es. Das ist von nun an mein Lebensinhalt. Frag Google nach „Luise, Miss Preußen„. Der entsprechende Berlin-Woman Link erscheint schon unter den ersten Adressen, hmm. (Gerade sehe ich, er ist auf Platz 1, yeah). „Kriegsheimkehrer der Bundeswehr“ steht auf Seite zwei, knapp vor dem Sprung nach vorne. Luise und Friederike sowie Swanday haben es bereits geschafft. Aber Sixties Fashion, du meine Güte, weit abgeschlagen. Gegen die starken Mode-Blogs setzt man sich einfach nicht durch. Da soll es doch so eine bereits ergraute 13jährige geben, deren Fashion-Blog tausende Klicks am Tag hat.

Unbeabsichtigt sind meine Texte zu Rennpferden mutiert, die nun auf der großen Google-Strecke mitlaufen. Manchmal gibts harte Konkurrenz. Nehmen wir den Blog-Titel „Berlin-Woman“. Davor galoppieren der Film „Anonyma – A Woman in Berlin“ mit Jockey Nina Hoss und das Parfüm MEXX Berlin-Woman. Werd ich mal bei Google, ich meinte: Douglas schnuppern gehen. Jedenfalls braucht Berlin-Woman noch mehr Klicks und Zeit. Den Rest macht die große Google-Lotterie. Wie und was genau sie kombiniert, weiß keiner. Die Modi werden ständig verändert.

Ehrlich gesagt, will ich es dem großen Google gar nicht recht machen. Im Gegenteil, wähle ich die Themen, Texte und Worte weiterhin so aus, wie sie mir und euch gefallen. Ich werde fortlaufend über Interessantes und Besonderes aus der Berliner Frauenwelt berichten, über Orte und Veranstaltungen, wo es um Kreativität, Mut und Innovation geht. Berlin-Woman. Stadtkultur im weiblichen Blick? Google doch mal.

Ein Gedanke zu „Google my Google

  1. Google! Daran dachten wir auch Anfang der Woche sofort, als wir die Tagungsräume der WeiberWirtschaft besser platzieren wollten. Gedacht, getan, flugs unsere Website-Fachfrau angerufen und mal nachgefragt: Wie schafft man es bei google auf die erste Seite? Gut verlinken!? So hieß die Zauberformel noch bis vor kurzem.
    Aber hört, hört! Alles Schnee von gestern: google schneidert heute für jede IP-Adresse ein anderes Antwortmenü. Wenn bei Dir auf dem Rechner die „Luise, Miss Preußen“ ganz zentral erscheint, ist sie auf dem Rechner des Nachbarn, der sonst eher nach anderen Misses sucht… naja, lassen wir das. Also, der sieht dann eben was anderes! Ich bin noch nicht so sicher, wie ich das finde. Einerseits gut, weil die Welt natürlich mehr als eine Wahrheit hat. Andererseits blöd, weil sowas wie „Objektivität“ noch schwerer zu sehen sein wird. Wie gut, dass wir noch andere Perspektiven als die auf den Bildschirm haben!

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