High Sixties Fashion, Mode der sechziger Jahre im Berliner Kulturforum

Foto: Friedhelm Denkeler

„Wenn Du 9 antickst, kommen Sunny and Cher“. Zwei Ausstellungsbesucher sind eifrig mit der Hörstation beschäftigt. Hier stimmen Hits der Sechziger schon mal auf die Zeitreise ein, die wir gleich unternehmen werden. Der sonst eher dunkle Ausstellungsraum im Seitentrakt des Berliner Kulturforums erstrahlt hell, die Überschriften der 10 Sektionen, darunter so schöne Titel wie „Space-Look“, „Alles Muster“ oder „Just a Girl“ leuchten in Pink, Lila und Grün. 200 Modefotografien und -illustrationen – u.a. von Cardin, Dior, Saint-Laurent, Rabanne aber auch der renommierten Berliner Letteschule – entführen uns ins Universum der Sixties.

Dass die Mode so vielfältig gewesen ist, die Frauen so frech und die Sonnenbrillen so chic waren! In der Kleinstadt meiner Kindheit gab es höchstens hier und da einen schüchternen Mini und hochtoupierte Haare. Was trug man aber alles in Paris, London, New York und Berlin: Lacklederstiefel, helmartige Kappen und Mützen, transparente Plastikstoffe, Metallkleider, Minis mit Maximänteln, Hosenanzüge, Hemdenkleider, Schlaghosen, Kapuzenblusen, bunte Strumpfhosen … Alles war neu, alles war anders, die Mode hatte sich komplett auf den Kopf gestellt. Hosenkleider und Hosenröcke. Overalls und Etuikleider. Überhaupt gab es Kleider in allen Spielarten: mit Schlips, mit Kaskadenrock, mit Harlekinkragen, in Wickelform, als Tunika oder Kasack. Luxus wie Après-Ski, Cocktailparties, Reisen ins schöne Italien und der Tennissport verlangte nach dem passenden Outfit. Der Kleiderschrank der Wirtschaftswunderzeiten war so gefüllt wie die Kühlschränke.

Die Mode der sechziger Jahre spiegelte den Zeitgeist direkt wider. Der Mondflug inspirierte zum Astronautenlook mit schmaler Silhouette, betonter Knopfleiste und runden Taschen. Aufrüstung und Kriegspolitik sorgten für den Uniformlook der Kostüme und Hosenanzüge. Die abstrakte Kunst, z.B. Op Art, übernahm die Kleidermuster. Auch die Models, die wie Elisabeth Taylor, Romy Schneider oder Audrey Hepburn aussahen, spielten neue Rollen. Auf den Fotos hüpfen sie, räkeln sich breitbeinig vor der Kamera oder waren einfach nur cool. Damals war es möglich, androgyn und weiblich zugleich zu sein. Und die Männer, denen eine Ausstellungssektion gewidmet ist, durften androgyn und maskulin sein.

Die Ausstellung ist nicht nur sehenswert. Sie ist kommunikativ und weckt Erinnerungen. So kann es passieren, dass man sich mit fremden Besucherinnen über ein Vinyl-Regencape austauscht: „Das habe ich geliebt. Wenn ich nach Hause komme, gucke ich gleich mal in den Schrank“. Draußen vor dem Ausstellungsraum warten eine witzige Plattenhüllensammlung und Ausschnitte legendärer Filme, z.B. „Blow Up“ mit Veruschka und „Barbarella“ mit Jane Fonda. Echte High-Sixtie-Fashion-Girls mit Berlin-Woman Prädikat.

High Sixties Fashion. Modefotografie und -illustration. Staatliche Museen zu Berlin. Kunstbibliothek, Matthäikirchplatz 6, 10785 Berlin. Bis 1.8.2010. Eintritt: 6 oder 3 Euro.

2 Gedanken zu „High Sixties Fashion, Mode der sechziger Jahre im Berliner Kulturforum

  1. Danke, liebe Jana Muschick von der Edition Ebersbach. Wir werden ganz bald noch mal über die lange XX-Nacht berichten. Es waren so viele interessante Berlin-Women dabei.

    Viele Grüße von Carola Muysers alias Berlin-Woman

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