Luise, Miss Preußen

„Sie sind hier falsch“ werden wir von der Aufsicht im Schloss Charlottenburg begrüßt. „Und außerdem dürfen Sie mich nicht wegen dem Audioguide fragen“. Berlin-Woman hat verstanden: In der Ausstellung der preußischen Königin Luise sind wir direkt in Preußen gelandet. Schnell schauen wir uns ihre Gemächer an, die für die Show rekonstruiert worden sind („So schön rosa“, schwärmen meine 12- und 15jährigen Begleiterinnen von Luises Schlafgemach, eigens vom berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfen).

Die Ausstellung selbst besteht aus zwei Bereichen und informiert über Luises Leben und Mythos. Die Portraits, Gemälde, Fotos von Denkmälern, Gegenstände und Kultobjekte sind liebevoll präsentiert. Es macht Spaß, sich alles anzuschauen und gleichzeitig zu erfahren, was es denn mit der Luise so auf sich hat. Sie stammte aus mecklenburgisch-darmstädtischem Hochadel, hatte 10 Kinder, führte eine glückliche Ehe mit dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III., war Botschafterin bei den Bündnisgesprächen mit Zar Alexander I. und den Friedensverhandlungen mit keinem Geringeren als Napoleon. Eine Stunde lang sprach sie mit dem „großen“ Regenten. Dann kam es zum „Frieden von Tilsit“, bei dem Preußen erhebliche Einbußen hinnehmen musste.

Luise war modebewusst und pflegte das Image der anmutigen, natürlichen und „bürgerlichen“ Königin. Mit gerade mal 34 Jahren starb sie an Lungenentzündung. Ein Lungenflügel war zerstört und am Herzen wucherte eine Geschwulst. Ihr früher Tod trieb ihren Mythos voran. Es entstanden Luise-Denkmäler, -Tempel, -Bilder und -Orden. Ihre Grabstätte, die der Bildhauer Christian Daniel Rauch schuf, wurde zur Kultstätte. Noch heute pilgern zahlreiche Fans zum Mausoleum im Garten von Schloss Charlottenburg, wo Luise als marmorne Schlafende aufwartet.

Luise, die Märtyrerin, die preussische Madonna, die Mutter des deutschen Kaiserreichs: bis zum Dritten Reich kamen immer neue Facetten zu ihrem Mythos hinzu. Die Nazis selbst konnten mit Luise nichts anfangen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte man sich wieder mit ihr. Luise wurde Thema in Spielfilmen, Biographien und der Kunst. Sogar DJ Marusha ließ sich Ende der 1990er Jahre als Luise portraitieren. Ihre Büste steht am Ende der schönen Ausstellung. Besucht wird sie von vielen, vielen Frauen, die ihre Männer mitgebracht haben. Die weltbekannte Figurengruppe der Prinzessinenschwestern Luise und Friederike schaut sich „Berlin Woman“ aber nicht im Schloss Charlottenburg an. Ganz bald werden wir uns das Originalmodell vornehmen, das an einem anderen Berliner Ort zu finden ist.

Luise, Leben und Mythos der Königin, 6.4.-30.5.2010, Schloss Charlottenburg, Spandauer Damm 20-24, 14059 Berlin

Ein Gedanke zu „Luise, Miss Preußen

  1. Wie schön, dass es schon wieder einen neuen Tipp gibt. Hört sich schwer so an, als würde das zum Osterprogramm! Ich bin gespannt, ob die Parallele von Popstar Luise zu Popstar Prinzessin Diana einen Ort in der Ausstellung hat. Danke, Carola!

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