Swan Day Berlin, zeitgenössischer Tanz

Bei „Swan Day“ denkt man gleich an „Schwanensee“ mit Tutu, Spitzenschuhen, Federn im Haar, dürren durchgebogenen Strumpfhosenbeinen und gedrillten kleinen Ballettmädchen. Stimmt aber nicht. Swan Day ist ein internationales Festival, das „Support Women Artists Now“ bedeutet und jeweils am letzten Samstag im März in verschiedenen Ländern stattfindet. Hier geht es um die Künstlerin. Swan Day feiert Frauen aller Kunstrichtungen. In Berlin wird das mit einer Ausstellung und Performances im „Ada-Studio“ und unter der Regie von „Performance Lab Berlin“ getan. Die Veranstaltung kooperiert mit der Reihe NAH DRAN XX, in der regelmäßig Nachwuchschoreographen vorgestellt werden.

Die Ausstellung „Zwei Seiten“ ist wörtlich gemeint. Performerinnen, Filmemacherinnen, bildende Künstlerinnen u.a. haben ihre Konzepte auf zwei Blättern zusammengefaßt, die an Schnüren von der Decke herunterbaumeln und zum Lesen und Herumstöbern auffordern. Ein Ideen-Inkubator, für den man sich Zeit nehmen muss.

Anders ist es mit den Künstlerinnen des Abends. Eva Baumann, Anna Melnikova und Shannon Sullivan sind Stars der Choreographenszene. Ihre Stücke, die sich aus Kunst, Schauspiel, Lyrik und Tanz zusammensetzen, werden international aufgeführt. Für „Swan Day“ zeigen sie ihre neuesten Solos. Alles andere als oberflächliche Bespassung fordern sie alle unsere Sinne. Hier heißt es hinsehen, hinhören und nachhaltig empfinden. So windet sich Eva Baumann für „fragile“ durch ein Gespinst aus Nylonschnüren. Sie versperren ihr den Weg, fangen sie auf, lassen sie hindurchkriechen und darübersteigen. Der Körper der Tänzerin ist so gespannt wie die Schnüre. Er wird zur Amöbe, zum Fisch, zum Sumoringer und zu einer Marionette.

Anna Melnikova tanzt die 5. Szene der griechischen Tragödie „Die Bakchen“. Sie ist die Mutter von Thebens Herrscher Pentheus, die im Rausch ihren Sohn zerstückelt aber glaubt, einen Löwen zu jagen. Mit Weintrauben verstopft sich die schöne Anna Melnikova den Mund und wird zur Furie. Sie tobt, tanzt, grunzt und schnauft. Man sieht Versatzstücke aus dem klassischen Ballett und aus griechischen Volkstänzen. Zum Schluß erwacht die „unselige Mutter“ und erkennt ihre Tragödie.

Bei „Broken. Part I. “ lässt uns Shannon Sullivan stellenweise im Dunkeln sitzen. Wir hören nur, dass sie etwas zerbricht, zerbröselt und auf den Boden verstreut. Und wir hören ihre Lyrik, auf Englisch, mit wenigen deutschen Einsprengseln. Man versteht nicht viel, aber darum geht es auch nicht. Plötzlich Licht, die Tänzerin, Poetin und Performerin befindet sich auf einer Fläche aus klein zerbrochenen Eierschalen. Sie ist ganz Tanz und Poesie.

Das Publikum im „Ada-Studio“ besteht aus jüngeren Berlin-Women und etwas weniger aber dafür sehr sympatische Männer. Eine ganz besondere Atmosphäre, kreativ, ruhig und konzentriert. Heute Abend wird die Vorführung wiederholt.

Performance Lab Berlin. Swanday Berlin. Ada-Studio, Schönhauser Allee 73 / QuARTier 73, 2. HH, 1. OG, 10437 Berlin – Prenzlauer Berg.

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